Cloud-Gaming: Geht es künftig nicht mehr ohne?

Seit der Begriff des Cloud-Gamings erstmals 2014 im Zusammenhang mit dem Dienst aufkam, den Sony für seine Spielekonsole auf den Markt brachte, hat er weite Kreise gezogen. Das Geschäftsmodell, das zunächst von Entwicklern und Gamern kritisch betrachtet wurde, ist heute aus der Branche nicht mehr wegzudenken. Immer mehr Akteure buhlen mit ihrer eigenen Cloud-Gaming-Lösung um das Interesse der Community.

Nach den ersten Vorstößen einzelner Entwickler, ist das neue Konzept von einem regelrechten Boom erfasst worden. Für Gamer bedeutet das neben ein paar kleineren Umstellungen in Sachen Hard- und Software vor allem neue Vielfalt und ein Höchstmaß an Freiheit beim Zocken.

Online Casinos als Vorreiter

Gaming Server in der Cloud

Auch, wenn Computer- und Konsolenspiele das Cloud-Gaming zu dominieren scheinen, ist das Rad hier nicht neu erfunden worden. Zu den Pionieren im Bereich ortsunabhängiges Gaming gehören die Online Casinos, die den Spielemarkt etwa seit den 90er Jahren erobern. Ortsunabhängiges Spielen entstand, als die klassischen Glücksspiele wie Poker, Roulette und Blackjack, aber auch die beliebten Videoslots den Sprung von den niedergelassenen Spielbanken in die virtuelle Spielwelt schafften.

Zu den größten Global Playern im Bereich mobiles Spieleangebot, gehören die Schweizer Online Casinos. Da für die Schweizer Gaming-Community Mobilität eine große Rolle spielt, waren hochwertige Apps und webbasierte Anwendungen hier schon früh ein entscheidendes Kriterium, um sich langfristig am umkämpften Markt etablieren zu können. Jetzt könnten die noch jungen Akteure der Gaming-Branche wertvolle neue Impulse geben und im wahrsten Sinne des Wortes zum Gamechanger werden.

5G-Technologie bringt Cloud-Gaming neue Power

Wenn ein Großteil der Rechenleistung auf externen Servern geschieht, sind schnelle Datenübertragungsraten und eine geringe Latenz wichtiger als eine High-End-Hardware. Mit einem hochauflösenden Bildschirm können sogar mobile Endgeräte die Rechenleistung aus dem Netz anzapfen. So werden Smartphone und Tablet zur mobilen Konsole, wenn die Internetverbindung stimmt.

Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass das Cloud-Gaming durch die Entwicklung und den Ausbau der 5G-Technologie noch einmal neuen Aufwind erhalten hat. Seit 2019 arbeiten verschiedene Anbieter daran, 5G deutschlandweit zu etablieren. Zu den wichtigsten Akteuren gehören die Deutsche Telekom, Vodafone und O2 Telefónica Germany. Sie nutzen vorhandene Mobilfunkmasten mit LTE- und 4G-Technologie für den Ausbau des 5G-Netzes. Mit der 1&1 Drillisch Netz AG, also Mobilfunkanbieter 1&1, ist auch ein Nebenakteur der Branche mit dabei.

Im März 2019 begann in einer Frequenzauktion der Ansturm auf das begrenzte Frequenzspektrum. Insgesamt 420 MHz konnten die vier Mobilfunkanbieter nach 88 Tagen und fast 500 Bieterrunden untereinander aufteilen.

Die Ansprüche, die an die neue 5G-Technologie gestellt werden, sind im Vergleich zu früheren Systemen wie LTE oder 4G enorm. Übertragungsraten von bis zu 1 GBit/s in städtischen Gebieten, eine Ausfallsicherheit von nahezu 100 Prozent und eine um 90 Prozent höhere Energieeffizienz stehen auf der Check-Liste der Entwickler. Bis 2030 soll in weiten Teilen Deutschlands ein 5G-Netz zur Verfügung stehen, das bis zu 1.000-mal schneller ist als das bekannte LTE-Netz.

Microsoft xCloud und PlayStation Now

Cloud-Gaming mit Computer und Konsolen

Microsoft und Sony gehören zu den Vorreitern in Sachen Cloud-Gaming für Computer und Konsole. Mit Xbox Cloud Gaming und Playstation Now haben die Global Player ihre Idee vom ortsunabhängigen Gaming vorgelegt. Um das Spieleangebot aus der Cloud nutzen zu können, benötigen Gamer lediglich einen entsprechenden Controller, aber der gehörte auch bei der klassischen Konsolenvariante bereits zur Grundausstattung.

Xbox Cloud Gaming überzeugt vor allem durch ein hohes Maß an Flexibilität, denn der Dienst ist auf den meisten Geräten nutzbar, inklusive mobiler Endgeräte mit Android- oder iOS-Technologie. PlayStation Now wird dagegen häufig aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit kritisiert. Der cloudbasierte Dienst kann nur auf einem Windows PC oder einer Playstation 4 oder 5 genutzt werden. Mobile Endgeräte unterstützten die Cloud-Technologie von Microsoft hingegen bisher nicht.

Google Stadia will es wissen

2019 erschien ein neuer Akteur auf der Cloud-Gaming-Bühne, der angetreten zu sein scheint, um Microsoft und Sony Druck zu machen. Mit Stadia hat Google einen eigenen Gaming-Dienst gelauncht, der langsam startete, jetzt aber in die Vollen gehen möchte. Der Konzern hat angekündigt, ab Herbst 2021 85 Prozent seiner Einnahmen in die Gaming-Sparte investieren zu wollen. Dadurch sollen vor allem Entwickler dazu angeregt werden, exklusive Anwendungen zu schaffen, die Google Stadia als Gaming-Dienst ganz vorne mitspielen lassen können.

Mit seinem Geschäftsmodell hebt sich Google deutlich von anderen Cloud-Gaming-Diensten ab. Stadia stellt eine separate Plattform dar, an die Gamer nach dem Kauf eines Spiels gebunden sind. Dafür kann Stadia in der Basis-Version kostenlos genutzt werden, mit einer Beschränkung auf Full-HD. Stadia Pro ist im Abo für etwa 10 Euro im Monat erhältlich. Das Angebot enthält regelmäßig neue, kostenlose Spiele sowie eine Auflösung von 4K und 5.1 Surround-Sound. Die Abo-Version versorgt Gamer außerdem mit dem innovativen Stadia Controller, der zum Spielen zwar nicht zwingend erforderlich ist, aber ein paar interessante Gimmicks aufweist.

Die Gaming-Offensive von Netflix

Eine eher unerwartete Gaming-Offensive startet Streamingdienst Netflix. Bislang gönnte sich das Unternehmen nur hin und wieder den Spaß, kleine Spieleanwendungen zu beliebten Streams anzubieten, wie zum Beispiel die Videospiele zur Netflix-Serie „Stranger Things“. Nach einem Einstieg in die Gaming-Industrie, sahen diese Side-Projects allerdings noch nicht aus.

Nun scheint das Unternehmen aber gezielt auf die Suche nach Experten aus der Gaming-Industrie zu sein und gibt damit Anlass zu Spekulationen bezüglich einer größer angelegten Gaming-Offensive. Durch die Nähe zwischen Streamingdiensten und Cloud-Gaming erscheint eine Erweiterung des Portfolios naheliegend und Netflix hat bereits angekündigt, an einem Spiele-Bundle zu tüfteln, das die Brücke zwischen reinem Streaming und Gaming schlagen könnte.

Möglich wäre allerdings auch eine Art Zwischenweg, den erste interaktive Formate wie „Black Mirror – Bandersnatch“ bereits beschritten haben. Das Interesse auf Seiten der Streamer scheint vorhanden zu sein und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Netflix in Zukunft häufiger an den Erfolg der interaktiven Eigenproduktion anknüpfen könnte.

Facebook und Amazon rüsten nach

Der anhaltende Boom in der Gaming-Branche hat dazu geführt, dass auch Facebook und Amazon die Fühler in Richtung Gaming ausstrecken. 2020 launchte Amazon mit „Luna“ seine eigene Gaming-Plattform. Die Inhalte möchte der Versandriese dabei aber vor allem von externen Entwicklerstudios zukaufen und den Nutzern lediglich die cloudbasierte Peripherie zur Verfügung stellen.

Facebook ging bereits 2018 mit seinem eigenen Game-Streaming-Hub an den Start. Den Anfang machte Facebook-Gaming als Plattform für Live-Streamer und hat sich inzwischen stärker in Richtung Cloud-Gaming entwickelt. 2019 folgte der direkte Zugriff über die Main-App und später eine eigene App, die die Nutzung von Facebook-Gaming noch userfreundlicher gestalten sollte.

Der Schwerpunkt der Anwendung liegt immer noch auf dem Game-Streaming, allerdings ist bereits eine kleine Auswahl eigener Spiele hinzugekommen. Aufgrund der riesigen Reichweite hat Facebook großes Potenzial, um langfristig in der Gaming-Branche Fuß zu fassen.

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