Sportwetten online? Aber sicher!

Keine Sportübertragung im Fernsehen ohne Werbung für das ein oder andere Online-Wettbüro und oft halten Prominente wie Oliver Kahn ihren Kopf dafür in die Kamera. Doch noch immer haftet den Sportwetten in Deutschland etwas Anrüchiges an. Warum eigentlich?

Das Internet als Antriebsmotor hinter dem Boom

Sportwetten online

Die Zahl der Anbieter von Online-Casinos und Sportwetten scheint im Internet tagtäglich zu wachsen. Gründe dafür gibt es viele: Viele Menschen, denen es nicht im Traum einfallen würde, die meist leicht schäbig wirkenden Spielhallen im eigenen Wohnort aufzusuchen, genießen enfach die Bequemlichkeit und Anonymität von der heimischen Couch aus, ihr Glück beim Roulette oder am einarmigen Banditen zu versuchen. Andere sind froh, online zu jeder Tageszeit Partner für Mehrspieler-Spiele wie Texas Hold’em Poker zu finden. Und im Bereich der Sportwetten bedient das neue Angebot ganz einfach die vorhandene große Nachfrage, auf die es bislang einfach keine Antwort gab. Die Hintergründe sind in Deutschlands kompliziertem und leicht schizophrenem Verhältnis zum Glücksspiel zu finden.

Wetten in der legalen Grauzone

Wenn Oliver Kahn im Fernsehen zur besten Sendezeit zum Wetten bei Tipico mit Bonuscode einlädt, bewegt sich der ehemalige Nationaltorhüter in einer rechtlichen Grauzone. Denn ganz offiziell sind Sportwetten und andere Glücksspiele von privaten Anbietern in Deutschland noch immer verboten. Der Staat hält das sogenannte Glücksspielmonopol, d.h. lediglich staatliche Anbieter und lizensierte Vertreter (wie die Spielbanken) dürfen in Deutschland Glücksspiele und Wetten anbieten. Dies dient offiziell der Suchtprävention: Werbung für Glücksspiel könnte die Zahl der Spielsüchtigen enorm steigern. Diese Aussage ist natürlich unsinnig, denn im wettverrückten Großbritannien, wo auf alles von der Premier League bis zur Teilnahme von Vladimir Putin an der Hochzeit von Prinz Harry auf wirklich alles gewettet wird, darben auch keine Millionen Spielsüchtige auf den Straßen des Landes.

Tatsächlich handelt es sich um eine bequeme Ausrede, denn das staatliche Monopol auf Glücksspiel und Sportwetten spült dem Staat jedes Jahr mehrere Milliarden Steuereinnahmen in die Kasse. Der schnöde Mammon steht natürlich auch dahinter, wenn der Staat trotz des Monopols private Anbieter wie Tipico, Bwin & Co. auf dem deutschen Markt gewähren lässt: Auch sie generieren schließlich Steuereinnahmen.

Sportwetten mit dem Smartphone

Worauf ist bei Sportwetten zu achten?

Einziger 100% legaler Anbieter von Sportwetten ist der staatliche Monopolist Oddset. Dank eines Urteil des Europäischen Gerichtshofes dürfen sich deutsche Wettfans seit 2016 aber auch sicher fühlen, wenn sie bei privaten Anbietern wie Tipico eine Wette wagen. Unter dem Aktenzeichen C-336/14 legte der EuGH fest, dass das deutsche Glücksspiel-Monopol gegen EU-Recht verstoße und private Anbieter darum nicht belangt werden dürfen. Allerdings: Schon 2010 hatte der EuGH ein ähnliches Urteil gefällt, mit dem der deutsche Staat gezwungen wurde, 20 Lizenzen an private Anbieter zu vergeben. Nach fünfjährigen Querelen und Prozessen wurde das Vergabeverfahren vom Verwaltungsgericht Hessen aufgrund „vergaberechtlicher Probleme“ wieder gestoppt. Passiert ist seitdem – nichts.

So müssen deutsche Fans von Sportwetten weiterhin auf die echte Legalisierung der privaten Wettbüros warten, doch dank des Urteils von 2016 sind zumindest keine Strafen mehr zu befürchten. Damit sind sie besser gestellt als Glücksspieler, die in Online-Casinos aktiv sind: Das Amtsgericht München brummte einem Glückspilz, der beim Black Jack eines in Gibraltar ansässigen Casinos rund 63.000 Euro gewonnen hatte, eine Geldstrafe wegen illegalen Glücksspiels auf. Der Gewinn war natürlich ebenfalls futsch.

Der Sportwetten-Markt boomt und boomt

Allein im letzten Jahr stiegen die Umsätze der Sportwettenanbieter in Deutschland um 20 Prozent. Das auf der sonnigen Mittelmeerinsel Malta ansässige Wettbüro Tipico alleine war im vergangenen Jahr für Umsätze von rund 500 Millionen Euro gut. Dies entspricht 650 Euro pro Kunde. Dabei regiert König Fußball: Rund 90 Prozent aller Wetteinsätze entfallen auf diverse Fußballwettbewerbe wie die Bundesliga, die Champions League und (in diesem Sommer) die Fußball-WM in Russland.

Doch für jede Nische gibt es da das passende Angebot: Wer mag, kann Wetten auf Spiele in den ersten Ligen von Aserbaidschan oder Paraguay Tipps abgeben oder sich anderen Sportarten wie Volleyball, Baseball und Wasserball zuwenden. Auch Exotisches ist dabei, wie das vor allem in Skandinavien gespielte Bandy und der britische Nationalsport Cricket.

Für Einsteiger sind simple Wettklassiker wie die Wette auf den Gewinn des eigenen Lieblingsteams bei der nächsten Bundesliga-Partie oder auf den nächsten Europameister empfehlenswert. Fortgeschrittene wagen sich dann an Kombinationswetten, die bei höherem Risiko aber auch höhere Gewinnchancen versprechen.