Live-Streaming Technologie hat sich in den letzten Jahren zu einem großen Trend in den sozialen Medien und der Gaming Industrie entwickelt: Waren Internet-Verbindungen noch vor zehn Jahren zu langsam, um Übertragungen in Echtzeit zu gewährleisten, so ist dies heute ohne Probleme möglich. In der Folge haben sich Live-Streaming Angebote in mehreren Märkten durchgesetzt und diese revolutioniert. Von Online Casinos mit echten Dealern, über Live-Videos auf YouTube, bis hin zu Übertragungen von großen E-Sport Turnieren: In den folgenden Bereichen ist Live-Streaming Technologie inzwischen unverzichtbar geworden.

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Live-Streaming im Online Casino

Allein in Deutschland betragen die jährlichen Einnahmen durch Casinos knapp 2,5 Milliarden Euro. Doch um in Zeiten von Smartphones und Internet modern zu bleiben, benötigte die Glücksspielindustrie neue Impulse. Diese hat sie nicht nur mit Online Casinos gefunden, sondern seit einiger Zeit auch mit sogenannten Live Casinos: Bei Live Casino Spielen werden dem Spieler zum Beispiel beim Blackjack in Echtzeit die Karten ausgeteilt – und zwar von einem echten Dealer, den er per Webcam sehen und mit dem er interagieren kann. Bei Glücksspiel-Rittern kommt dies besonders daher gut an, weil man in den eigenen vier Wänden echte Casino Atmosphäre schnuppern kann und näher am Geschehen dran ist.

Inzwischen sind Live Casino Spiele für einen großen Teil der Einnahmen in Online Casinos verantwortlich: Bereits im Jahr 2009 waren Online Casinos fast so erfolgreich wie klassische Spielbanken, inzwischen führen sie – und Spiele live zu spielen ist einer der größten Treiber dieses Trends. Wie groß das Wachstumspotential für die Zukunft ist, sieht man schon daran, dass es in Deutschland inzwischen über 23 Millionen Zuschauer von Live-Streams gibt; Tendenz steigend. Doch natürlich gibt es noch weitere Beispiele für den Siegeszug der Live-Streaming Technologie.

Infografik: Nutzung von Streaming-Diensten

E-Sport als Vorreiter für Streaming

Der E-Sport hat sich inzwischen zu einer ernsthaften Konkurrenz für klassische Sportarten entwickelt – und ein Großteil der Zuschauer ist nicht per Fernsehen, sondern über Webseiten wie Twitch dabei. Bis zum Jahr 2020 sollen die Umsätze mit elektronischem Sport auf über eine Milliarde Euro steigen. Turniere wie die MMA oder die ESL werden inzwischen standardmäßig auf Twitch übertragen (außer Anbieter wie Facebook funken dazwischen, aber dazu später mehr). Und ein Großteil der E-Sport Begeisterung kommt daher, dass Live-Streaming den Fans die Chance eröffnet, selbst eines Tages ganz groß raus zu kommen.

Alles was man braucht, um zur Twitch-Berühmtheit zu werden, ist eine Webcam und ein Talent für ein Videospiel wie Dota 2 oder League of Legends. Dann stehen einem im Prinzip alle Türen offen; entsprechendes Training vorausgesetzt. Um die Ausmaße des Hypes zu verdeutlichen: im Vogelnest in Peking fand Ende letzten Jahres das Finale von League of Legends statt, bei dem über 40 Millionen Zuschauer live per Stream dabei waren! Weitere 80.000 Fans waren zudem direkt vor Ort. 2017 bemerkten viele Journalisten und aufmerksame Beobachter, dass die Gamescom in Köln inzwischen eher an eine Streamer-Convention erinnert, als an eine Gaming-Messe; Gronkh und Co. stahlen den Spielen einfach die Show, die Fans waren ganz heiß darauf, ihre Helden einmal live zu sehen.

Inzwischen beginnen zwar Sender wie Sky den E-Sport auch regulär ins Programm zu nehmen, es ist aber unwahrscheinlich, dass sie Streaming-Angebote wie Twitch dadurch auf lange Sicht verdrängen werden – Live-Streaming und E-Sport sind einfach zu eng miteinander verwoben. Wer beim Streamen um seine Privatsphäre besorgt ist, kann sich übrigens Anleitungen dazu durchlesen, wie man Streams auch über ein VPN genießen kann.

YouTube ist neben Twitch eine der größten Live-Streaming Seiten weltweit

„YouTube ist neben Twitch eine der größten Live-Streaming Seiten weltweit.“ (Quelle: Pixabay)

Streaming auf YouTube und Co.

Ein weiterer Bereich, in dem Live Streaming sich in den letzten Jahren etabliert hat, sind Video-Seiten wie YouTube. Lange Zeit war Video-Streaming darauf begrenzt, so dass die Nutzer vorher aufgezeichneten Content auf Wunsch ansehen konnten: Man suchte nach speziellen Inhalten, abonnierte einen Channel und wurde informiert, sobald dieser ein neues Video hochgeladen hatte. Seit einiger Zeit verlagert sich der Schwerpunkt aber auf Live-Streaming: Immer mehr Channel übertragen ihre Inhalte in Echtzeit. Der Grund liegt von Künstler-Seite auf der Hand, Videos zu produzieren und zu schneiden kann unter Umständen Tage dauern. Viele Channel sind deswegen nicht in der Lage, mehr als ein oder zwei Videos pro Woche zu produzieren.

Mit Live-Streaming sinken die Kosten für die Kanal-Betreiber deutlich. Auch werden Channel, die täglich Videos hochladen, vom Algorithmus der Seite bevorzugt behandelt und in Rankings nach oben gepusht. Und fast noch wichtiger ist, dass die Künstler auf diese Art viel direkter mit ihren Fans kommunizieren können. Besonders beliebt auf YouTube sind live gestreamte Gaming Videos. Aber auch abseits der amerikanischen Plattform geht der Trend klar in eine Richtung: Die chinesische Live-Streaming Plattform „YY Inc.“ ist im vierten Quartal 2017 um 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen; der Umsatz liegt inzwischen bei 557 Millionen US Dollar.

Und auch Angebote wie die Live Streaming App YouNow – ebenfalls von YouTube ins Leben gerufen – zeigen, wohin die Reise geht – insbesondere, da vor allem die jüngere Generation sehr positiv auf das Angebot reagiert hat. Allerdings gibt es für die hier genannten Anbieter neue Konkurrenten. Diese kommen in Form der sozialen Netzwerke daher, die zunehmend ebenfalls ein Stück vom Kuchen abhaben wollen und die Kunden dadurch an sich binden möchten, dass diese ohnehin oft auf Social Media Plattformen unterwegs sind.

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Facebook mischt inzwischen mit

Auch Facebook und andere soziale Medien haben inzwischen die Macht des Live-Streaming für sich entdeckt. So hat Facebook vor einer Weile Facebook Live gestartet, eine Plattform um jederzeit mit Followern in Kontakt treten und das eigene Leben teilen zu können. Der Software-Gigant versucht außerdem seit einiger Zeit, Streaming-Services wie Twitch Konkurrenz zu machen: Ende Januar hat Facebook angefangen, ausgewählte Dota 2 und Counter-Strike Turniere über die eigene Plattform zu übertragen. Im Prinzip eine gute Idee, über das Cross-Posting Feature des Netzwerks ist es Nutzern nämlich möglich, Beiträge und Videos über mehrere Konten abzuspielen.

So kann zum Beispiel die offizielle Dota 2 Seite und die spielenden Teams ihre Streams direkt über Facebook teilen. Dadurch will das Unternehmen seine Zielgruppe erweitern – allerdings bislang mit holprigem Start. Nur ganze 5.000 Zuschauer waren zum Auftakt mit dabei, für ein großes Turnier wie die übertragene ESL ein Flop. Fans gratulierten sarkastisch zu den bis dato geringsten Zuschauerzahlen bei einem relevanten E-Sport Turnier. Zahlreiche Nutzer beklagten bei Reddit außerdem die mangelnde Qualität des Streams und falsche Verlinkungen auf der Webseite der ESL.

Außerhalb von Facebook ist es vor allem die Kurznachrichtenplattform Twitter, die seit einiger Zeit mit Live Content auf sich aufmerksam macht: So können Benutzer inzwischen auch live twittern. Allerdings ist die Nachfrage bisher im Vergleich gering.

Fazit

Live-Streaming Technologie ist einer der wichtigsten Internet-Trends der Gegenwart und hat bereits mehrere Industrien von Grund auf revolutioniert: Ob E-Sport, Live Videos auf YouTube oder Live Games in Casinos, die Technologie steht erst an ihrem Anfang. In Zukunft werden Virtual und Augmented Reality ebenso zum Wachstum beitragen, wie 360-Grad Videos, die YouTube bereits heute anbietet, welche aber noch immer die Bandbreite mancher Internetverbindungen zu sehr belasten, um in guter Qualität abgespielt zu werden. Für die Nutzer bedeutet das aufregende Zeiten mit neuem Content und Übertragungen, die mit jedem Jahr immersiver werden. Und mit Live-Streaming überall wird die Welt in einigen Jahrzehnten ein anderer Ort sein.

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