QR-Codes – verstaubtes Relikt oder sinnvolles Marketing-Tool?

Kaum jemand kennt sie nicht – QR-Codes. Ab und zu begegnet dem einen oder anderen auch heute noch ein QR-Code in einer Zeitschrift, auf einem Plakat oder in diversen anderen Bereichen. Doch ist er überhaupt noch state of the art oder ist er nur noch ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit?

Die Geschichte des QR-Code

Wofür steht QR eigentlich? Es bedeutet „Quick Response“, also schnelle Antwort. Mit diesem Hintergedanken wurde der QR-Code einst entwickelt. Als eine Möglichkeit, schnell und einfach eine Information in gedruckter Form zu digitalisieren. Insbesondere in der heutigen Zeit, in der Digitalisierung in aller Munde ist, könnte der QR-Code möglicherweise wieder eine Renaissance erleben – oder doch nicht?

QR-Code am Smartphone
QR-Code am Smartphone

Entstehung

Als in den 1980er Jahren die Anforderungen an maschinenlesbare Codes in der Automobilindustrie zunahmen, war Toyota einer der Vorreiter, die eine Lösung gemeinsam mit der Firma Denso Wave entwickelten. 1994 war es dann so weit, der QR-Code war geboren. Im Vergleich zu klassischen Strichcodes ließen sich deutlich mehr Informationen im 2-dimensionalen Code verstecken und dank interner Fehlerkorrektur schnell und einfach mit einem optischen Scanner auslesen.

Schnell wurde die Technik auch in anderen Bereichen übernommen und spätestens mit der Entwicklung der Smartphones mit integrierten Kameras, die das Auslesen der Codes jedem möglich machten, hatte eine breite Anzahl von Nutzern Zugang und Nutzen der Codes erkannt. Durch die Vielzahl an möglichen Informationen, die ein solcher Code beinhalten kann – von Internetseiten über virtuelle Visitenkarten und E-Mail-Adressen bis hin u SMS-Inhalten, Geo-Daten, Telefonnummern oder Texten –, ergaben sich schnell umfangreiche Einsatzmöglichkeiten für Soft- und Hardwarehersteller wie natürlich auch für die Werbeindustrie.

Verbreitung in Deutschland und im Rest der Welt

QR-Codes verbreiteten sich insbesondere seit der ersten Generation des iPhone im Jahr 2007 und den darauffolgenden Smartphones anderer Hersteller rasant. Da es nun jedem möglich war, die Codes überall und jederzeit auszulesen, nutzten viele verschiedene Unternehmen die Codes als gedruckte digitale Information. So waren die Codes praktisch über Nacht zum allgegenwärtigen Phänomen geworden und jeder wollte auf den Zug aufspringen. Man fand sie in Zeitschriften, auf Plakaten, auf Produktverpackungen und sogar auf Webseiten.

Weltweit verbreitete sich das Phänomen rasant und insbesondere in Asien und den USA ging nichts mehr ohne QR. Auch heute sind dort QR-Codes noch allgegenwärtig. Grund dafür ist mitunter auch, dass beispielsweise in der meistgenutzten App Asiens, WeChat, ein QR-Code-Reader bereits integriert ist. In China entwickelte sich WeChat schnell zum Allzweck-Tool für den Alltag, noch deutlich extremer, als es WhatsApp hier in Deutschland ist.

So bietet die App einen eigenen Store, sie dient als Job-App ebenso wie als Lieferdienst-App für Pizza & Co. Sie ersetzt gewissermaßen als universelle Anwendung eine ganze Reihe von Apps, die es hierzulande als einzelne Apps gibt. Der integrierte QR-Leser ist nur ein Teil davon. Da er aber so intensiv für digitale Anleitungen, Filmtrailer, Informationen zu Produkten etc. genutzt wurde, hielt der Boom in Übersee und Asien bis heute an, während QR-Codes in Deutschland bereits als Relikt einer vergangenen Zeit abgestempelt waren.

QR-Codes - Gründe für das Scheitern in Deutschland
QR-Codes – Gründe für das Scheitern in Deutschland

Gründe für das Scheitern in Deutschland

Insbesondere in Deutschland hielt der Trend aber nicht lange an, denn bereits um das Jahr 2010 bzw. spätestens 2013 war das Vertrauen der Nutzer auf einem Tiefststand, da es immer wieder zu Fehlern, falschen bzw. missbräuchlich platzierten Links zu Trojaner-Apps für Android sowie deplatzierten Codes kam. Schließlich warnte in Deutschland 2013 sogar offiziell das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationtechnik) vor den Codes. Dies in Verbindung mit der Tatsache, dass vielerorts QR-Codes ohne Kommentar irgendwo platziert wurden und den häufigen Fehl-Weiterleitungen zu falschen Webseiten, sowie dem stellenweise noch wenig verbreiteten mobilen Datenvolumen und fehlendem Vertrauen führte zum baldigen Ende der QR-Codes in Deutschland.

Vor- und Nachteile des QR-Codes

Auch heute kann in Deutschland die Nutzung von QR-Codes durchaus noch sinnvoll sein, denn letztendlich überwiegen die Vorteile die Gefahren des Missbrauchs. Dies mag auch mit ein Grund dafür sein, dass die Verwendung von QR-Codes seit 2014 wieder auf dem Vormarsch ist. Dies spiegelt sich in der täglich Anzahl an gescannten Codes wieder, die tatsächlich ansteigt.

Interessant ist hier insbesondere auch die Tatsache, dass nur 5% der Nutzer der Codes im Jahr 2014 unter 18 Jahre alt waren. 26% aller QR-Code-Scans wurden von 35 bis 44-jährigen Anwendern durchgeführt. Jeweils 21% von den 45 bis 54-jährigen und weitere 21% von 25 bis 34-jährigen. Diese Erkenntnis bietet ein durchaus interessantes Potenzial für mobiles Marketing, denn der Vorteil der schnellen Übertragung umfangreicher Informationen auf kleinster Fläche ist sonst kaum möglich.

Insbesondere bei der Bindung von Kunden, die Vertrauen zum Unternehmen haben, der Integration von digitalen Zusatzinhalten zu gedruckten Informationen oder auch bei der Neukundengewinnung können QR-Codes zum Gewinnbringer werden, da sie einen echten Mehrwert bieten können. Zwar gibt es natürlich Missbrauchsmöglichkeiten, aber das Risiko, einen negativen Effekt im Bereich der Werbung zu erreichen, ist sehr gering.

Praktische Anwendungsbeispiele heute

QR Code mit Zusatzinformationen auf einem Produkt
QR Code mit Zusatzinformationen auf einem Produkt

So gibt es auch heute noch eine Reihe von positiven Anwendungsbeispielen für die Codes, die nicht zu unterschätzen sind, denn die Akzeptanz steigt deutlich an. An dieser Stelle möchten wir nur einige wenige Beispiele anführen, die Liste lässt sich natürlich beliebig erweitern.

Videointegration zu gedruckten Medien: QR-Codes bieten die Möglichkeit, schnell und einfach Videos zu integrieren. Dies kann ein Kinotrailer auf einer gedruckten Kinokarte oder auch eine Bauanleitung in einer Gebrauchsanweisung sein.
Weiterführende Informationen in Zeitschriften: Werbefläche kostet Geld. Sei es auf Plakaten oder in Zeitschriften. QR-Codes bieten die Möglichkeit, den Kunden zu weiteren Informationen zu führen, ohne viel Platz in Anspruch zu nehmen.

Direktlinks zu Downloads von Apps: Über einen QR-Code kann der Anwender sofort zum Download der App geführt werden, ohne dass er erst im Appstore suchen oder eine lange URL eingeben muss. Diese Möglichkeit wird nicht nur von Amazon auf Produktverpackungen genutzt, sondern insbesondere auch Anbieter von Unterhaltungssoftware wie Casino-Apps für das Smartphone machen häufig von dieser Möglichkeit Gebrauch. Dennoch geht der Trend hin zu Instant-Play und Browserspielen für mobile Slots, die einen Download überflüssig machen. Vielen Spielern kommt das entgegen, da sie sich dadurch ersparen, noch mehr Software auf ihre Geräte laden zu müssen.

Informationen auf Produktverpackungen: Da die Codes praktisch überall integriert werden können, machen viele Hersteller von Konsumprodukten davon Gebrauch. So finden sich beispielsweise Informationen zu Rezepten auf Verpackungen von Iglo Tiefkühlprodukten oder weiterführende Produktinformationen zu Verbrauchsartikeln auf den Verpackungen verschiedener Hersteller.

QR-Codes direkt auf Produkten: Nahezu alle Hersteller von Saugrobotern aus Fernost fügen QR-Codes direkt auf dem Produkt an, wo der Nutzer weitere Informationen, Videos oder Anwendungsbeispiele findet. Auf vielen Produkten macht dies durchaus Sinn und kann dem Anwender einen Zusatznutzen bringen.

Visitenkarten: Auf der Rückseite einer Visitenkarte lässt sich die komplette Visitenkarte in digitaler Form integrieren. So muss der Empfänger nur den Code scannen, um alle Kontaktinformationen sofort auf dem Smartphone speichern zu können.

Zukunftsaussichten

Durch die enorme Verbreitung von Smartphones ist der Zugang zu den Codes so einfach wie nie zuvor. Die wieder steigende Akzeptanz, das vermehrte Vorhandensein von Breitband-Mobilverträgen und europaweites Roaming machen die Nutzung zunehmend interessanter.

Am Beispiel der Schweiz, wo 2018 sogar ein Einzahlungsschein mit QR-Code im Rahmen der digitalen Zahlungsabwicklung erschien, zeigt sich deutlich, dass der Nutzen wieder zunehmend erkannt und die Vorteile wieder vermehrt wahrgenommen werden. Eine Werbekampagne mit QR-Code-Unterstützung aufzubauen kann sich daher auch heute definitiv noch lohnen, wenn sie sinnvoll und richtig ausgeführt wird.

Nicht lesbare Codes und eine Anbringung an einer Stelle, an der der Nutzer den Code nicht lesen kann, beispielsweise gegenüber der Bahngleise auf einem Plakat, sind natürlich ein No-Go. Sinnvolle Unterstützung zu gedruckten Inhalten bietet aber vielfältige Möglichkeiten, die dem Konsumenten oder Nutzer einen echten Mehrwert bieten können, wie er sonst in gedruckten Medien kaum erreicht werden kann.