Tinte als Goldgrube: Drucker werden immer billiger, Zubehör als Hauptgeschäftsfeld der Hersteller

Im Elektronikmarkt nebenan werden Drucker und Multifunktionsgeräte für Privatanwender schon zu Preisen ab 50 bis 100 Euro angeboten. Das Hauptgeschäftsfeld der Druckerhersteller sind nicht etwa die Geräte selbst, sondern vielmehr die dazugehörigen Tintenpatronen. Doch der Verkauf von Druckern und passenden Verbrauchsmaterialien ist im Zeitalter der Smartphones und Tablet-PCs rückläufig, so verkaufte allein der weltgrößte Druckerhersteller Hewlett Packard im Jahr 2012 rund 15 Prozent weniger Drucker als noch im Vorjahr.

Das Markforschungsinstitut IDC schätzt, dass der Markt insgesamt um zirka zehn Prozent geschrumpft ist. Für die Druckerhersteller bedeutet das: Kaufen heute weniger Kunden Drucker, sinken morgen die Einnahmen durch Verbrauchsmaterialien und Zubehör.

Eingebaute Obsolenz als Lösung

Tinte als Goldgrube: Drucker werden immer billiger, Zubehör als Hauptgeschäftsfeld der Hersteller

©Boyan Dimitrov/123rf.com

Nicht nur der Rückgang der Verkaufszahlen bei Druckern und Tinte bringt die Hersteller zunehmend in Bedrängnis, sondern auch sogenannte Refill-Dienste, die sich darauf spezialisiert haben, leere Tintenpatronen kostengünstig nachzufüllen. Auch im asiatischen Raum gibt es Hersteller, die vollkompatible Druckerpatronen für nahezu jedes Gerät anbieten.

Hier lassen sich findige Hersteller immer mehr Tricks einfallen, um den Umsatz trotz genannter Umstände aufrecht zu halten. Das buchstäbliche Zauberwort heißt hierbei „eingebaute Obsolenz“. Durch Anpassung der Konstruktion von Tintenpatronen wird ein Nachfüllen durch Dritte erschwert, ebenso der Einsatz von Patronen, die durch Dritthersteller angeboten werden. Das geht zu Lasten aller Kunden.

Mit quasi jeder neuen Druckergeneration bauen die Hersteller kompliziertere Originalpatronen. So wird nicht nur das Nachfüllen erschwert, sondern auch der Nachbau. Bei einem Querschnitt von Tintenpatronen ist im Inneren ein wahres Labyrinth erkennbar, welches die Tinte über den Druckkopf auf das Papier leitet. Andere Patronen sind beispielsweise mit einem Chip ausgestattet, welcher nach einer vordefinierten Seitenleistung meldet, dass die Tinte leer ist.

Füllt man diese Tintenkartuschen bei einem Refill-Dienst nach, funktionieren diese ohne Modifikation des eingebauten Chips nicht, denn schließlich wird die Information an den Drucker geschickt, es handle sich um eine entleerte Tintenpatrone. Alternativpatronen werden meist nur nach Modifikation eines Druckers erkannt, welche der Normalverbraucher nicht vornehmen kann.

Die eingebaute Obsolenz soll dazu führen, dass Kunden an das Unternehmen gebunden werden und auf Alternativpatronen oder das Nachfüllen bei Drittanbieter (Refilling) verzichten. Doch die praktische Umsetzung kostet den Herstellern viel Geld, das natürlich durch den Verkaufspreis der Tintenpatronen eingefahren werden soll und muss.

Kosten für Forschung, Vermarktung, Vertrieb und eingebaute Obsolenz zahlt der Kunde

Tintenpatronen sind alles andere als günstig, das ist Fakt. Doch warum ist das so? Nun, zunächst einmal muss die Tinte zahlreiche Anforderungen erfüllen können. Dazu investieren die Druckerunternehmen Milliarden in Forschung und Entwicklung. Beim Druckvorgang werden die wenige Pikoliter kleinen Tintentröpfchen auf rund 300 Grad Celsius erhitzt, dann mit einer Geschwindigkeit von etwa 48 km/h (30 mph) bei rund 36.000 Tröpfchen pro Sekunde über die Düse auf das Papier gebracht.

Dabei muss die Tinte nicht nur sofort auf dem Papier trocknen, sondern auch hohe Qualitätskriterien bezüglich Haltbarkeit, Farbqualität und Präzision erfüllen. Die Entwicklung einer solchen Tinte kostet Geld, auch die Kosten für Vermarktung, Vertrieb und die eingebaute Obsolenz fließen in den vom Kunden zu zahlenden Kaufpreis ein.

Flüssiges Gold: Tinte teurer als menschliches Blut

Tinte als Goldgrube: Drucker werden immer billiger, Zubehör als Hauptgeschäftsfeld der Hersteller

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So kommt es, dass Tinte zu den teuersten Flüssigkeiten der Welt zählt. Recherchiert man den Preis einer Gallone (zirka 3,8 Liter) schwarzer Druckertinte im Durchschnitt, kommt man auf ein Ergebnis von rund 3.000 US-Dollar. Zum Vergleich: Eine Gallone Haarshampoo vom Markenhersteller kostet zirka 36 US-Dollar, Bier etwa 20 US-Dollar, bleifreies Benzin etwa drei US-Dollar.

Das Antibiotika Penicillin kostet rund 300 US-Dollar pro Gallone, sogar menschliches Blut ist kostengünstiger als Tinte. Die finanzielle Aufwendung, die zur Gewinnung einer Blutkonserve (eine Gallone) umgerechnet zu erbringen wäre, liegt bei zirka 1.500 US-Dollar. Nur wenige Flüssigkeiten sind teurer als eine Gallone schwarzer Tintenpatrone, etwa Quecksilber (ca. 3.400 US-Dollar), Insulin (ca. 9.400 US-Dollar) oder hochwertige Parfums (ca. 25.600 US-Dollar).

Führt man sich diese Zahlen vor Augen, erkennt man schnell, dass hier zu Lasten der Kunden gewirtschaftet wird. Trotz riesiger Investitionen ist Druckertinte quasi flüssiges Gold für die Hersteller. Wer sich trotz aller Kosten für die Anschaffung eines neuen Druckers entscheidet, der findet hier mehr Informationen.


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