Das Coronavirus und seine Auswirkungen auf E-Commerce

Das Coronavirus hat in Deutschland und auf der ganzen Welt für eine nie dagewesene Situation gesorgt: Ausgangssperren oder Kontaktsperren sind inzwischen eher die Regel als die Ausnahme, die Nachrichtensendungen behandeln fast nur ein Thema und in der Bevölkerung herrscht allgemein große Unsicherheit. Diese schlägt sich auch im Online-Handel nieder.

Wachstum durch die Krise – nicht unbedingt

E-Commerce Boom durch das Coronavirus?

Auf den ersten Blick scheint diese Situation ein El Dorado für die E-Commerce-Branche zu sein. Die Ausgangsbeschränkung in Deutschland erlaubt es zwar, im stationären Handel einkaufen zu gehen, die Bürger selbst meiden aber möglichst jede Situation, in der sie mit Menschen in Kontakt kommen könnten. Auch ältere Menschen, die einen Großteil der Corona-Risikogruppe bilden, entdecken durch die neuen Umstände den Online-Handel. So wurde am 20. März ein 27-prozentiger Anstieg bei den versandten Paketen berichtet im Vergleich zur Vorwoche. 

Doch auch die Online-Händler haben mit Problemen zu kämpfen: Einerseits wurden alle großen Messen und Veranstaltungen abgesagt, Networking ist somit auch für sie nicht mehr möglich. Zudem zeigt sich, dass selbst die Online-Riesen wie Amazon Probleme bekommen, wenn die Nachfrage nach einem bestimmten Produkt sehr groß ist: Die Lieferanten beliefern offenbar zunächst die normalerweise größeren Abnehmer – und das sind im Falle von Lebensmittel oft die Supermarktketten. Dadurch kann es gerade im Online-Handel zu Lieferverzögerungen kommen.

Lebensmittel boomen, Dropshipping lahmgelegt

Dass die Annahme, die Krise würde dem Online-Handel unbedingt nutzen, zu einfach ist, zeigt sich an einer Umfrage des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. aus dem März: 41 Prozent der Händler geben an, einen Rückgang der Bestellungen zu verzeichnen, lediglich elf Prozent sehen einen Anstieg. 

Die Gewinner sind einerseits diejenigen Händler, die online Lebensmittel verkaufen, insbesondere auch die Supermarktketten, die Lieferservices anbieten, wie beispielsweise Rewe. Dort sind, wie im stationären Handel, Produkte wie Nudeln oder Reis stark nachgefragt. Doch auch Anbieter von Reinigungsmitteln, Toilettenpapier oder Fieberthermometern kommen den Bestellungen oft kaum hinterher. Gerade bei Fieberthermometern lässt sich ein beeindruckender Anstieg feststellen: Das Umsatzwachstum im Online-Handel liegt hier bei 2970 Prozent. 

Verlierer sind dagegen die Dropshipping-Händler: Durch die unterbrochenen Lieferketten aus China können sie mitunter keinen Umsatz mehr generieren, kommen doch schlicht keine Produkte mehr bei den Kunden an. Doch auch Modeverkäufer bekommen Probleme, da diese Produkte nicht zu den Grundbedürfnissen gehören und während Rezessionen weniger nachgefragt werden. Das kann zu Preisnachlässen führen, was auf der anderen Seite positiv für die Verbraucher ist. Auch Marken, die normalerweise viel mehr kosten, wie etwa Dsquared bieten im Sale mehrere coole Stücke an. So kann es eventuell vorteilhaft sein, gerade in dieser Zeit einen Blick auf Onlineshops zu werfen um sich Kleidung zu reduzierten Preisen anzuschaffen.

„Made in China“ nun endgültig kein Qualitätssiegel mehr

Gerade kurzfristig wird sich für die Onlinehändler nun vieles ändern. Einerseits muss mit Lieferproblemen gerechnet werden, denn oftmals kommen die Produkte aus China, wo die Fabriken zum Teil geschlossen sind. Alternativ müssen die Schiffe mit Produkten aus chinesischen Provinzen, in denen produziert wird, hier in Europa tagelang im Hafen liegen – Lieferverzögerungen oder -ausfälle sind somit praktisch unvermeidbar. 

Zudem sollten sich die Firmen auf eine Quarantäne-Situation vorbereiten und vorsorglich schon Mitarbeiter ins Homeoffice schicken, die den Betrieb dann aufrechterhalten können. Fraglich ist hier natürlich auch, ob man dafür ausgestattet ist und welche Kosten gegebenenfalls auf das Unternehmen zukommen.

Und gerade Händler, die viele Produkte aus China vertreiben müssen sich auch auf Probleme mit dem Vertrauen in die Produkte hier in Deutschland einstellen: Obwohl noch kein Fall von einer solchen Krankheitsübertragung dokumentiert ist, sind die deutschen Verbraucher doch sehr skeptisch und meiden nun scheinbar chinesische Produkte mehr als zuvor. Die Probleme sind mannigfaltig und verlangen nach individuellen Lösungen, je nach Art der verkauften Produkte.

Die E-Commerce-Branche kennt in dieser Krise, genau wie der stationäre Handel, also auch Gewinner und Verlierer. Im Endeffekt boomen hier dieselben Produkte wie offline, und dieselben Branchen müssen Umsatzrückgänge hinnehmen. Die Einflüsse sind inzwischen spürbar und werden diesen Wirtschaftszweig sowohl kurz- als auch langfristig verändern, etwa durch Lieferverzögerungen oder häufigeres Homeoffice der Mitarbeiter.

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