Grünes Licht für VDSL-Vectoring

Ende August 2013 ebneten sowohl die Bundesnetzagentur als auch die EU-Kommission endgültig den Weg für ein neues Breitbandverfahren, welches den Ausbau der Datennetze auf Festnetzbasis erneut beflügeln könnte. Während die letzten 1-2 Jahre vorrangig der Ausbau des mobilen Highspeed-Funknetzes „LTE“ im Fokus stand, gab es nur mäßige Erfolge beim Ausbau schneller Internetzugängen per VDSL oder Glasfaser.

Das sogenannte VDSL-Vectoring könnte nun neuen Schwung in den Markt bringen.

Was versteht man unter Vectoring?

Netzwerk ServerUm das zu verdeutlichen, hilft zunächst ein Blick auf den hypothetischen „Idealzustand“ der Anbindungsweise von Endkunden an das Breitbandnetz. Dabei wird die gesamte Wegstrecke zum Kunden durchgehend mit Glasfaserkabeln realisiert, man spricht dann von Fiber to the home (FTTH).

Diese Ausbauweise ist zwar die leistungsfähigste, allerdings auch am aufwendigsten sowie teuersten und findet sich daher bundesweit in noch nicht mal 1 Prozent der Haushalte. Der Großteil der Endnutzer ist noch über alte Kupferdoppeladern des Festnetzes (TAL) angeschlossen. Die Datenübertragung erfolgt dann über den ADSL-Standard, der eine Datenrate von bis zu 16 MBit erlaubt. Beim moderneren VDSL-Standard wird ein Teil der Wegstrecke mit Glasfaser überbrückt.

Zudem wird beispielsweise eine größere Frequenzbandbreite für die Datenmodulation genutzt. Dadurch können mit VDSL aktuell Geschwindigkeiten von bis zu 50 MBit realisiert werden. Solche VDSL-Tarife werden mittlerweile von einer Vielzahl von Anbietern offeriert. Der Nachteil: Je länger die Leitung bis zum DSLAM (Verteiler mit Glasfaseranbindung) ist, desto höher ist der Abfall der Datenrate beim Kunden.

Schon ab einer Distanz von 300 Metern, ist ein Großteil der Performancevorteile von VDSL bereits aufgezehrt. Der Grund liegt in den Eigenschaften metallischer Leiter. In den Kupferdoppeladern bewirken die hochfrequenten Signale Übersprecheffekte, sogenanntes Crosstalking, welche das Signal verzerrt dabei. Je länger die Wegstrecke, desto mehr wirkt sich dieser Effekt negativ aus.

Das Vectoring-Verfahren, entwickelt von Alcatel-Lucent, setzt genau an dieser Stelle an. Mittels komplizierter Verfahren werden Crosstalkingeffekte, vereinfacht gesagt, gefiltert. Dabei ist eine permanente, algorithmische Überwachung der Leitung am DSLAM nötig. Anders ausgedrückt bedeutet das, für Vectoring müssen alle Verteiler aufgerüstet werden. Unterm Strich ergeben sich dabei allerdings mehrere Vorteile.

Zum einen verdoppelt sich die mögliche Datenrate auf bis zu 100 MBit. Zum anderen erhöht sich die mögliche Distanz, mit der Verbraucher noch mit VDSL-typischen Datenraten erreicht werden können – die Verfügbarkeit steigt. Alcatel Lucent konnte sogar zeigen, das prinzipiell in Kombination mit Bonding (Kanalbündelung) und Phantom-Kanälen, sogar bis zu 2000 MBit erreichbar wären.

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Regulatorische Probleme

Als die Telekom 2012 bekannt gab, Ihr eigenes Netz künftig mit Vectoring auszurüsten, keimten gleichzeitig neue Bedenken auf, der Konzern wolle damit seine ehemalige Monopolstellung durch die Hintertür wieder zurück erobern. Der Einsatz von Vectoring hat nämlich netzpolitisch einen ganz entscheidenden Pferdefuß. Kommt auf einer Leitung Vectoring zum Einsatz, kann immer nur ein Anbieter den Kabelstrang nutzen.

Das Teilen mit einem Mittbewerber ist dann nicht mehr möglich. Es bestand daher berechtigte Sorge seitens der anderen Unternehmen, die Telekom würde damit den Wettbewerb verzerren bzw. verhindern. Im April 2013 legte die Bundesnetzagentur daher einen Entwurf vor, wie man künftig mit dem Problem verfahre.

Nachdem die Bundesnetzagentur auf Druck des Branchenverbandes VATM den Entwurf weiter zugunsten der Wettbewerber anpasste, wurde dieser Ende August 2013 von der Bundesnetzagentur nun endgültig in der finalen Version genehmigt. Die Telekom darf demnach zum Beispiel, unter bestimmten Voraussetzungen, anderen Unternehmen den TAL-Zugang verweigern, um für Endkunden per Vectoring die schnellen Turbo-Anschlüsse bereitzustellen.

Im Gegenzug verpflichten sich die Bonner unter anderem, für Mitbewerber Ersatz anzubieten, damit diese dem potenziellen Endkunden dennoch eigene Angebote offerieren können. Etwa über einen alternativen Bitstrom-Zugang.

Chance für den Netzausbau

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, betonte in diesem Zusammenhang, dass es nun an allen Unternehmen selbst liege, mit Investitionen den Breitbandausbau in Deutschland rasch weiter voranzutreiben. Unterm Strich verspricht Vectoring nicht nur eine höhere, maximale Datenrate für Endkunden, vielmehr steigt auch die Verbreitung und Verfügbarkeit von Breitbandinternet.

Da allerdings, wie schon angedeutet, alle Verteiler umgerüstet werden müssen, stehen dafür nicht nur millionenschwere Investitionen auf der Agenda, es braucht auch Zeit. Einen groben Fahrplan hat die Telekom indes schon präsentiert. Bis ca. 2016 soll VDSL für gut 50 Prozent der Deutschen verfügbar sein.

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