Richtfunk: Alternativtechnologie für terrestrische Internetanbindungen


Für moderne Unternehmen ist eine performante Internetanbindung mit hohen Bandbreiten in der heutigen Zeit essentiell. Standleitungen auf Basis optischer Übertragungswege (Glasfaser) erfüllen diese Anforderungen am besten, sind aber nicht überall verfügbar. Besonders Unternehmen am Rand von Ballungszentren oder in ländlichen Gebieten haben hier das Nachsehen. Denn ein Ausbau des Glasfaser-Netzes lohnt sich für die Netzbetreiber aus wirtschaftlichen Gründen in diesen Gegenden nicht immer. Trotzdem gibt es je nach Standort eine zuverlässige Alternative, bei der die Daten nicht terrestrisch sondern auf dem Luftweg übertragen werden: Richtfunk erzielt vergleichbare Bandbreiten wie eine Standleitung.

Vorteile von Richtfunk

  • Eine Richtfunkstrecke kann häufig relativ kurzfristig in Betrieb genommen werden (6-12 Wochen)
  • Es ist eine Übermittlung von Daten mit Bandbreiten bis zu 2 Gbit/s möglich.
  • Die Technik und Qualität ist ausgereift, so dass die Verfügbarkeit einer Richtfunk Internetanbindung sehr hoch ist und bei bis zu 99,5 % liegt.

Technische Rahmenbedingungen für eine Richtfunk Internetanbindung

Technische Rahmenbedingungen für eine Richtfunk Internetanbindung

Um eine Internetanbindung via Richtfunk herzustellen, muss der Standort in Reichweite eines Funkmasts eines Netzbetreibers liegen (max. ca. 20 km). Außerdem muss zwischen dem anzubindenden Standort und dem Funkmast des Anbieters eine Sichtverbindung (Line of Sight) bestehen. Nur so kann das Funksignal ungehindert auf dem Luftweg transportiert werden. Ist dies alles gegeben, kann eine Richtfunkantenne an erhöhter Stelle des Kundenstandortes (meist auf dem Gebäudedach) installiert werden.

Im Falle eines Mietgebäudes muss der Vermieter natürlich vorab der Installation zustimmen. Technisch wird die Anbindung bis 100 Mbit/s oft als Point to Multipoint Strecke realisiert. Bei größeren Bandbreiten werden immer Point to Point Verbindungen installiert, die sich der jeweilige Netzbetreiber auch separat von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen muss.

Unabhängig von der technischen Realisierung werden in der Regel für die Übertragung mehrere Verschlüsselungsverfahren kombiniert, um auf der Funkstrecke einen sehr Schutz vor Fremdzugriff zu haben.

Weitere Einsatzmöglichkeiten von Richtfunk

Eine Richtfunkstrecke (auch Wireless Local Loop bzw. WLL genannt) kann auch zur Standortvernetzung als Punkt-zu-Punkt-Verbindung eingesetzt werden. Dabei tauschen zwei Standorte mit Hilfe von Richtfunkantennen Daten miteinander aus. Richtfunk kann außerdem für Medienredundanz genutzt werden, also als Backup dienen. Im Falle einer Störung der terrestrischen Leitung, können dann Daten über die Richtfunkstrecke transportiert werden.

Für hochredundante Anbindungen ist es auch denkbar den Standort des Kunden terrestrisch mit doppelter Hauszuführung anzubinden und dann zusätzlich noch eine Richtfunkstrecke zu einem anderen PoP des Netzbetreibers zu schalten.

Zusammenfassung

Richtfunk ist eine zuverlässige und schnell umsetzbare Alternative für terrestrische Internetanbindungen. Insbesondere ist Richtfunk für Unternehmen interessant, die ihren Standort in Gegenden haben, die nicht mit Glasfaser erschlossen sind, aber im 20 km Umkreis eines Funkmastes eines Richtfunk-Netzbetreibers stehen.

Über den Autor: 

Mirko Mach ist Gründer und Geschäftsführer der MPC Service GmbH. Diese ist seit über 20 Jahren Spezialist für Carrierleistungen – die Dienste und Produkte von Netzbetreibern. Das Unternehmen mit 70 Mitarbeitern unterstützt mittelständische und große Firmen in den Bereichen Festnetz, Mobilfunk. Internet, Richtfunk und Standortvernetzung bei der Planung, Beschaffung und dem Betrieb.


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