WhatsApp-Aufkauf durch Facebook: Was bedeutet das für den Datenschutz?

Facebook und Privatsphäre sind keine Worte, die gut miteinander auskommen. WhatsApp und Privatsphäre laut der Meinung zahlreicher User hingegen schon. Die weltweit beliebte Messaging-App, die von Facebook gerade für irrsinnige $19 Milliarden gekauft wurde, gilt als ein Service, der die Privatsphäre der User besonders ernst nimmt, zumindest soweit das möglich ist bei einem Useranzahl von 450 Millionen Menschen auf der ganzen Welt.

Wenn der Messaging-Dienst nun also von der notorischen Datenkrake Facebook geschluckt wird, was bleibt dann von dem hehren Anliegen, die Daten der User zu schützen, noch übrig? Die Antwort für den Moment lautet natürlich: Wir wissen es nicht. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass die Teams von Facebook und WhatsApp es ebenfalls noch nicht wissen. Alles was wir momentan tun können, ist Prognosen anzustellen, anhand der Fakten, die wir zur Hand haben.

Datenschutz bei WhatsApp – Wie geht es weiter?

WhatsApp-Aufkauf durch Facebook: Was bedeutet das für den Datenschutz?Der Schutz der Privatsphäre ist jedenfalls zweifellos tief in der Firmenideologie von WhatsApp verankert: Mitbegründer Jan Koum immigrierte im Alter von 16 Jahren von der Ukraine in die USA (http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Koum). Von seinen Jugendjahren in der UdSSR hat er wenig Gutes zu berichten: Überwachung, Spionage und Unterdrückung der Meinungsfreiheit standen an der Tagesordnung in der totalität ausgerichteten Ukraine.

Auch seine eigene Familie war davon betroffen – Zustände, die Koum unter allen Umständen bekämpfen möchte und auch bei der Entwicklung von WhatsApp zur obersten Priorität erklärt hat. Er versichert, dass die Daten geschützt werden, durch Verschlüsselung zwischen Kunden und Servern, durch das Nicht-Speichern von Nachrichten oder Chat-Verläufen.

Die Daten befänden sich auf dem jeweiligen Telefon und sonst nirgends. Facebook versichert zudem, dass die User-Daten nicht der Grund für den Aufkauf (und die gigantische Summe) waren. Beide Firmen versichern, dass WhatsApp nichts am bisherigen Service verändern wird.

WhatsApp-Aufkauf durch Facebook: Was bedeutet das für den Datenschutz?Das wäre begrüßenswert, wenn auch der bisherige Service begrüßenswert wäre, aber es tun sich immer wieder Risse auf im Privatsphäre-freundlichen Image von WhatsApp: Nur weil bei Jan Koum die Sicherheit der Daten groß geschrieben wird, heißt das noch nicht, dass dieses Ziel auch aus technischer Sicht optimal von den Entwicklern der Anwendung umgesetzt wurde.

Von Experten wurde die App immer wieder kritisiert, z.B. als eine App namens WhatsAppSniffer auf den Markt kam, die es Usern ermöglichte, die Nachrichten von anderen auszuspionieren, falls sie an das gleiche WLAN-Netz angeschlossen sind. Das Unternehmen hat ein ganzes Jahr gebraucht, um das Problem zu beheben. Auch die Verschlüsselung der Nachrichten wird immer wieder als zu simpel kritisiert.

Sie biete selbst relativ unerfahrenen Hackern eine große Angriffsfläche. Wieso sollte sich Facebook diese Sicherheitslücken nicht zu Nutze machen? – eine Frage, die auch hochrangige europäische Datenschützer stellen und daher sogar dazu aufrufen WhatsApp fortan zu boykottieren. (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/facebook-kauft-whatsapp-datenschuetzer-weichert-empfiehlt-boykott-a-954783.html).

Die wichtigere Frage ist doch aber, was würde das Facebook-Team mit den WhatsApp-Daten machen, wenn sie sie anzapfen würden? Soll Werbung auf der Whatsapp-Oberfläche geschaltet werden? Wenn wir unseren Freunden eine Nachricht über „Game Of Thrones“ senden, werden wir dann fortwährend von Anzeigen zur Serie bombardiert?

Gleichzeitig auf unserer WhatsApp-Nutzeroberfläche und auf unserem Facebook-Profil? Zumindest ist das bislang nicht geplant und es bleibt allen nichts anderes übrig als abzuwarten, ob dieses Szenario oder irgendwelche anderen Marketingmaßnahmen in naher Zukunft eintreffen.

Bei aller sympathischen Privatsphäre-Freundlichkeit von Seiten des WhatsApp-Teams ist aber vor allem eines im Hinterkopf zu behalten: Facebook ist nicht die zweitgrößte Werbeplattform der Welt geworden, indem sie die Daten, die sie zur Hand hatten, nicht genutzt haben – und es ist unwahrscheinlich, dass sie nun plötzlich damit anfangen.

[via www.Netzsieger.de]WhatsApp-Aufkauf durch Facebook: Was bedeutet das für den Datenschutz?


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