Das Smartphone als Desktop-Ersatz: Eine echte Alternative?

Das Smartphone als portabler Rechenknecht im Hosentaschenformat? Einfach Maus, Tastatur und Bildschirm anschließen und so Laptop und Desktop-PC überflüssig machen? Klingt gut, aber ist das auch praktikabel? Wir werfen einen Blick auf „DeX“, das Smartphone-Dock aus dem Hause Samsung, das genau dies ermöglichen soll.

Neuauflage einer alten Idee

Das Konzept an sich ist nicht neu, sämtliche Versuche, die Idee salonfähig zu machen, scheiterten aber bisher mehr oder weniger kläglich. Das bereits 2007 vorgestellte Palm Foleo schaffte es nie in die Läden, auch Motorolas Atrix war ein fürchterlicher Flop. Microsofts Continuum ist zwar auf dem Markt verfügbar, so richtig scheint das aber niemanden zu interessieren – das dürfte vor allem daran liegen, dass das Ganze nur mit bestimmten Smartphones funktioniert, die nicht mit Android oder iOS, sondern mit Windows laufen. Und von dieser Sorte gibt es bekanntlich nicht allzu viele.

Smartphone als Desktop Ersatz

Mehr Chancen, auf dem Massenmarkt zu bestehen, hat Samsungs DeX-Dock, das mit dem neuen Samsung-Flaggschiff Galaxy S8 läuft. Prognosen zufolge soll sich das Smartphone bis Ende des Jahres bis zu 60 Millionen mal verkaufen, und wenn man sich das Galaxy S8 in Verbindung mit einem neuen Vertrag leistet, ist es – weil unter diesen Umständen für einen geringeren Kaufpreis zu haben – auch preislich mitunter eine ernsthafte Alternative zu Laptop oder Festrechner. Aber stimmt auch die Performance des Samsung-Dreamteams?

Läuft’s rund?

Die Vorzeichen sind schon mal nicht schlecht. Schließlich ist der im Galaxy S8 verbaute Rechenkern vom Typ Qualcomm Snapdragon 835 durchaus potent. Microsoft und der Chiphersteller verkündeten im vergangenen Dezember deshalb gar, dieses Jahr gemeinsam Windows-10-PCs auf den Markt zu bringen, die von ebendiesem Chipsatz befeuert werden. Genügend Power sollte also für eine Desktop-Lösung vorhanden sein.

Im Praxistest macht das etwa 150 Euro teure DeX zunächst eine gute Figur. Auf der Rückseite des handlichen Docks befinden sich Anschlüsse für HDMI, USB-C und USB 2.0 sowie ein Ethernet-Port. Für Nutzerfreundlichkeit sorgt das User-Interface, das schon wenige Sekunden, nachdem man das S8 im DeX positioniert hat, auf dem Desktop-Bildschirm erscheint. Wer bisher mit Windows oder MacOS arbeitet, fühlt sich direkt zu Hause. Das Arbeiten geht flüssig von der Hand, es ist kein Problem, parallel zum Browsen im Netz mehrere Apps geöffnet zu haben und Musik zu hören.

Ganz makellos arbeitet das System jedoch auch nicht: Nicht alle Apps funktionieren mit DeX, andere laufen nur in derselben Bildgröße wie auf dem Smartphone. Wer aber nur ab und an ein Textdokument bearbeiten oder im Großbildformat mit Maus und echtem Keyboard im Internet surfen möchte, kann bei DeX zugreifen. Einen vollwertigen PC ersetzt das Dock in seiner jetzigen Form noch nicht. Es bleibt abzuwarten, ob künftige Softwareupdates die Kompatibilitätsprobleme beheben werden.


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