SHIFT6mq: Wie fair geht Technik?

Fair produzierte Smartphones aus deutscher Herstellung – das Unternehmen SHIFT ist aus mehreren Gründen eine Seltenheit auf dem aktuellen Markt. Vorbestellen kann man das neueste Modell, das SHIFT6mq, schon seit einer Weile. Bald soll die Auslieferung der ersten Geräte starten. Das Team der Berliner Reparatur-Experten iDoc hat bereits vorab einen Blick ins Innere des SHIFT6mq geworfen: Was kann ein faires Smartphone?

SHIFT6mq modulares Smartphone

Das Versprechen von SHIFT

Der deutsche Hersteller möchte mit seinen Produkten vieles anders machen als die Konkurrenz. Die Smartphones sollen einfach repariert werden können, selbst von Laien. Hürden wie softwareseitige Einschränkungen nach der Reparatur oder eine schlechte Ersatzteilverfügbarkeit, wie es beispielsweise bei Apple der Fall ist, schließt SHIFT aus.

Stattdessen setzt das Unternehmen auf faire Gewährleistungsbestimmungen und einen modularen Aufbau. So können die Geräte eigenständig repariert und, wenn entsprechende Teile verfügbar sind, auch geupgradet werden.

Shiftphones setzen auf einfache Reparierbarkeit. © iDoc
Shiftphones setzen auf einfache Reparierbarkeit. © iDoc

Gleichzeitig liegt SHIFT eine faire, nachhaltige Produktion am Herzen. So bieten sie faire Arbeitsbedingungen bei der Fertigung eines Shiftphones. Gleichzeitig wollen sie wertschätzend mit der Umwelt und den Rohstoffen umgehen. Der weitestgehende Verzicht auf Seltene Erden wie Tantal gehört dabei ebenso zum Konzept wie ein Gerätepfand, der beim Einsenden des defekten Handys ausgezahlt wird und eine umweltgerechte Entsorgung gewährleistet.

Kann das neue SHIFT6mq technisch überzeugen?

Der Aspekt der Nachhaltigkeit wird in vielen Lebenslagen immer wichtiger. Mit Firmen wie SHIFT und Fairphone hat das Thema auch den Smartphone-Markt erreicht. Doch kann ein fair produziertes Smartphone auch technisch überzeugen und mit etablierten Herstellern mithalten? Annika Ludwig, Expertin bei iDoc, hat sich das SHIFT6mq genauer angeschaut:

Technisch eher ein Mittelklasse-Gerät

Das SHIFT6mq wird mit Android 10 ausgeliefert. Doch der eingebaute Prozessor – der Snapdragon 845 von Qualcomm – ist bereits zwei Jahre alt und bietet nicht die Update-Sicherheit, die man bei einem besonders langlebigen Smartphone erhofft. Die Hintergründe für die Wahl des Chips sind nachvollziehbar: Durch zu hohe Lizenzgebühren und nicht zu erreichende Mindestabnahmemengen konnte SHIFT nicht auf neuere Qualcomm-Chipsätze setzen.

Die weiteren Spezifikationen im Überblick:

  • Dualkamera mit 16 bzw. 24 Megapixel
  • 6” AMOLED-Display mit Full HD+ Auflösung
  • Austauschbarer Akku mit 3850 mAh
  • 8 GB RAM
  • 128 GB interner Speicher, um bis zu 512 GB erweiterbar
  • USB-C PD Anschluss
  • Bluetooth 5.0
  • NFC
  • Platz für zwei SIM-Karten
  • 3,5 mm Klinkenanschluss

Auch wenn es mit einem regulären Verkaufspreis von 844 € eher im hochpreisigen Segment angesiedelt ist, ist das SHIFT6mq technisch eher mit einem Mittelklasse-Gerät zu vergleichen. Dafür sprechen nicht nur die Spezifikationen, sondern auch fehlende Features wie Wireless Charging oder Gesichtsentsperrung.

Der Aufbau lädt zum Reparieren ein

Schon in den ersten Minuten mit dem SHIFT6mq werden mehrere Reparaturvorteile deutlich: Die Rückseite lässt sich mit dem Fingernagel lösen. Darunter sitzt direkt der Akku. Ein Wechsel dieser anfälligen Komponente ist also innerhalb von fünf Minuten erledigt. Das entsprechende Ersatzteil ist bei SHIFT erhältlich. Mit dem mitgelieferten Schraubendreher und weiteren fünf bis zehn Minuten Zeiteinsatz lässt sich auch das Display leicht tauschen. Für die Einfachheit sorgt vor allem das Schraubenkonzept: Die Schrauben sind durchnummeriert und in Typ und Länge gleich. Einer der häufigsten Reparaturfehler, die Verwechslung von Schrauben, ist damit ausgeschlossen. Der Aufbau ermutigt vor allem Laien zur eigenständigen Reparatur.

Das SHIFT6mq ist weitestgehend modular aufgebaut. © iDoc
Das SHIFT6mq ist weitestgehend modular aufgebaut. © iDoc

Auch andere typische “Verschleißteile” wie Kamera, USB-Konnektor und Seitentasten sind als getrennte, wechselbare Module leicht austauschbar. Ein paar andere Teile, wie der Kopfhöreranschluss oder der Fingerprintsensor, hatten beim Punkt Modularität allerdings ein Nachsehen. Der von SHIFT angeführte Grund dafür ist die Reparaturstatistik, in der Defekte an diesen Bauteilen nicht ins Gewicht fallen.

Im Teardown von iDoc geht die Reparatur-Expertin Annika auf weitere Aspekte des SHIFT6mq ein.

Das SHIFT6mq zeigt: Faire Technik ist möglich

Auch wenn der Preis von 844 € auf den ersten Blick recht hoch erscheint, ist er für das, was das SHIFT6mq abseits von Technik und Design bietet, angemessen. Denn im Preis verbergen sich fair gehandelte Materialien, Entwicklungskosten, Lizenzgebühren und Support für Sozialprojekte. Und auch die Arbeitskosten haben wahrscheinlich einen höheren Anteil am Gesamtpreis, als es bei etablierten Herstellern üblich ist. Durch angemessene Löhne und faire Arbeitsbedingungen kann das SHIFT6mq keine Dumpingpreise bieten.

Der Lieferumfang des SHIFT6mq spiegelt den Nachhaltigkeitsgedanken wider. © iDoc
Der Lieferumfang des SHIFT6mq spiegelt den Nachhaltigkeitsgedanken wider. © iDoc

Mit dem Produktsortiment möchte SHIFT nicht den Markt erobern, sondern verändern: Je mehr Leute die Idee von einem nachhaltigen, fair produzierten und gut reparierbaren Smartphone unterstützen, desto zukunftsfähiger ist sie.