The Home Care Robot: Die neue persönliche Assistenz für ältere Menschen

Künstliche Intelligenz (KI) und Digitalisierung sind aus den Diskursen um die Zukunft von Pflege und Gesundheit nicht mehr wegzudenken. Diverse Selbstoptimierungs-Apps und -Gadgets sowie Software zur Erfassung gesundheitsrelevanter Daten sind immer wieder Gegenstände von politisch-öffentlichen, aber auch privaten Diskussionen. Wohin die Reise dabei endgültig gehen soll, ist noch weitgehend offen, aber es lässt sich zumindest ein Trend abzeichnen: Künstliche Intelligenz wird im Alltag von Pflegenden, Patienten und Ärzten immer wichtiger.

Eine relativ junge Entwicklung stellen dabei die sogenannten Home Care Robots dar – eine Art persönliche Assistenz für ältere hilfsbedürftige Menschen. Sie werden zum Teil als bahnbrechend beschrieben, weil sie den pflegerischen Alltag sowie die Kommunikation in der Gesundheitsversorgung auf eine neue Stufe zu heben scheinen. In diesem Artikel schauen wir uns an, was es mit dieser Entwicklung genau auf sich hat.

Möglichkeiten und Grenzen von Home Care Robotern

Verbindung Mensch und Roboter

Die Weltneuheit – Der Home Care Robot – ist eine Innovation, die sich im Grunde schon seit Längerem abgezeichnet hat. Vorboten, wie Apps, die mit dem Hausarzt kommunizieren oder vernetzte Geräte, die gesundheitsrelevante Daten aufzeichnen, gibt es schon eine ganze Weile. Aber Home Care Roboter als persönliche Assistenzen, das ist tatsächlich etwas Neues. Im Grunde genommen, hat man damit Alexa und Co. ein »Gesicht« und einen »Körper« gegeben. Denn die Pflegeroboter sind natürlich sehr gut vernetzt und verfügen häufig über die genannten Anwendungen. Was aber können sie mehr, als einfach nur das aktuelle Wetter durchzugeben, Musik lauter und leiser zu stellen oder Pizza zu bestellen?

Die Home Care Roboter sollen den Alltag von pflege- bzw. hilfsbedürftigen Personen erleichtern und ihnen möglichst lange ein weitgehend autonomes Leben ermöglichen. Dabei verknüpfen sie Funktionen aus grob drei Bereichen: Kontrolle, Kommunikation und Entertainment. Gehen wir diese der Reihe nach durch. Home Care Roboter sollen die hilfsbedürftigen Menschen kontrollieren bzw. Kontrolle durch Angehörige ermöglichen. Dazu können sie die Menschen beispielsweise daran erinnern, bestimmte Körperwerte zu messen (Gewicht, Blutdruck oder Blutzucker) oder rechtzeitig Medikamente einzunehmen.

Sie können aber auch von Angehörigen per Fernsteuerung gelenkt werden. Dadurch können diese jederzeit bei ihren hilfsbedürftigen Angehörigen nach dem Rechten schauen, ohne sogleich persönlich vor Ort erscheinen zu müssen. Im Notfall kann dies lebensrettend sein, weil Notsituationen auf diese Weise rechtzeitig identifiziert und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden können. Dies führt uns schon zum zweiten Punkt, Kommunikation. Pflegeroboter können gesundheitsrelevante Daten per entsprechender App erfassen, speichern und bei Bedarf direkt an den Hausarzt oder einen Angehörigen kommunizieren.

Sie können einen Arzt auch per Video-Chat anrufen und diesem so die Möglichkeit zu einer vorläufigen Diagnose geben. Sollten die aufgezeichneten Werte kritisch sein, so kann der Roboter Alarm schlagen. Die Home Care Roboter lassen sich für gewöhnlich einfach per Sprachbefehl steuern. Die zu Pflegenden können sie damit von jedem Ort in der Wohnung bzw. im Haus ansprechen und ihnen konkrete Befehle erteilen.

Die Roboter können auch ein Telefon bzw. Smartphone ersetzen, da man mit ihnen Kontakte verwalten, jemanden anrufen und anschreiben kann. Und wenn es schließlich mal nicht um Gesundheit geht, dann kann ein Home Care Roboter auch zum Unterhalter werden, indem er Musik und Videos abspielt oder Kochrezepte, Hörbücher oder Wissen recherchiert.

Vor allem für Senioren kann dies eine große Hilfe sein, da sie oftmals nur rudimentär mit herkömmlichen Computern umgehen können. Die sprachgesteuerten Home Care Roboter eröffnen ihnen damit die Möglichkeit, die vielfältigen Chancen und Angebote des World Wide Web nutzen zu können, ohne einen Rechner bedienen zu müssen.

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Home Care Roboter: Das Fazit

Home Care RoboterZusammengenommen bieten Home Care Roboter viele Chancen was die Bereiche Pflege und Gesundheitsversorgung anbelangt. Sie eröffnen nicht nur neue Kontrollmöglichkeiten für Angehörige und Ärzte, sondern ermöglichen es den zu Pflegenden auch, länger autonom zu leben, ohne in ein Pflegeheim gebracht zu werden oder bei Angehörigen leben zu müssen. Notfallsituationen können von ihnen schnell erkannt und entsprechende Akteure alarmiert werden.

Medikamenteneinnahmen werden nicht mehr ausgelassen und wenn doch, dann kann es der Hausarzt direkt nachvollziehen und entsprechend handeln. Home Care Roboter können also mitunter Lebensretter sein. Darüber hinaus ist es wichtig zu sehen, dass es Hilfsbedürftigen oftmals leichter fällt, Hilfe von Robotern bzw. Maschinen anzunehmen als von Menschen. Denn die Hilfsbedürftigen schämen sich häufig für ihre Hilfsbedürftigkeit und wollen weiterhin autonom sein.

Die Assistenz seitens einer Maschine hilft ihnen dabei, das Gefühl der Selbstständigkeit länger zu erhalten. Dies zeigen auch Erfahrungen aus dem Pflegealltag in Pflegeeinrichtungen, in denen solche Roboter ebenfalls eingesetzt werden können. Denn der Roboter tut dies stets emotional neutral: Wenn die Person aktuell nicht trinken möchte, dann kommt er später wieder und fragt nochmal. Eine Pflegekraft dagegen kann möglicherweise im Unterton etwas aufdringlich erscheinen oder unfreundlich und gestresst sein, sodass die Patienten kein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufbauen können und entsprechend zu wenig trinken.

Kritisch anzumerken wäre, dass Home Care Roboter natürlich nicht die Lösung für alle Probleme darstellen. Sie können Menschen niemals ersetzen. Echte Menschen brauchen reale Beziehungen und echten face-to-face-Kontakt. Wer mit seinen hilfsbedürftigen Angehörigen nur noch via Home Care Roboter kommuniziert, kann also dafür sorgen, dass der- oder diejenige schlichtweg vereinsamt und dass die Beziehung gleichsam verkümmert.

Auch kann ein Arzt eine gute Diagnose nicht nur aus der Ferne stellen, sondern muss mit dem Patienten persönlich kommunizieren, um möglicherweise etwas festzustellen, dass in der Videokonferenz untergegangen wäre. Damit verbunden ergibt sich auch die Gefahr, dass die medizinische Verantwortung immer mehr auf die Patienten selbst verlagert wird: Man bekommt immer weniger echte Sprechstunden beim Arzt, und wer sich keinen Pflegeroboter leisten kann, könnte irgendwann gänzlich von der Gesundheits- und Pflegeversorgung abgeschnitten sein.

Kurz und gut: Die Home Care Roboter bieten also ernstzunehmende Chancen in der Gesundheits- und Pflegeversorgung, aber sie bergen auch ernstzunehmende Risiken und weisen harte Grenzen auf, die man stets im Auge haben und nicht unterschätzen sollte.

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