Dirks-Computerforum

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Windows 11 bootet plötzlich extrem langsam trotz SSD

Hallo zusammen,

ich stehe gerade vor einem Rätsel mit dem Rechner meines Schwagers (Windows 11, schnelle M.2 SSD verbaut).

Bis vor kurzem war der PC nach dem Einschalten innerhalb von 15 Sekunden auf dem Desktop und einsatzbereit. Seit ein paar Tagen dauert das Hochfahren gefühlt eine Ewigkeit – der Windows-Kreisel dreht sich bestimmt 1,5 bis 2 Minuten, bis endlich das Anmeldefenster kommt.

Das Kuriose: Sobald man erst mal angemeldet ist und Windows läuft, ist der PC gewohnt pfeilschnell. Programme öffnen sofort, und beim Arbeiten merkt man überhaupt keine Verzögerung. Es betrifft wirklich rein den Bootvorgang.

Die SSD habe ich schon mit CrystalDiskInfo gecheckt, die Werte sind alle im grünen Bereich (Gesundheitszustand 98%). Am Speicherplatz liegt es auch nicht, da sind noch über 300 GB frei.

Hat jemand eine Idee, was Windows da beim Starten plötzlich so extrem ausbremsen könnte?

Gruß, Christian

Hallo Christian,

das ist ein klassisches Phänomen. Wenn der Rechner nach dem Booten pfeilschnell läuft und die M.2 SSD gesund ist, liegt es glücklicherweise selten an einer defekten Hardware.

Da die Verzögerung bei dir allerdings auftritt, bevor das Anmeldefenster erscheint – also während der Windows-Kreisel so lange dreht –, können wir die normalen Autostart-Programme im Task-Manager als Ursache erst mal hintenanstellen. Die werden nämlich größtenteils erst geladen, wenn der Desktop aufgebaut wird. Beim Kreisel initialisiert Windows den Kernel, die Treiber und die grundlegenden Systemdienste.

Gehen wir das Ganze mal systematisch an. Ich würde dir für den ersten Schritt zwei Hauptverdächtige vorschlagen:

Verdächtiger 1: Der Windows-Schnellstart (Fast Startup) zickt rum

Windows 11 fährt standardmäßig nicht komplett herunter, sondern speichert einen Teil des Systems in der Datei hiberfil.sys, um beim Einschalten Zeit zu sparen. Nach Windows-Updates kommt es hier aber gerne mal zu Timeouts oder beschädigten Cache-Dateien, was den Start massiv verlangsaaaaaamt.

  • Der Test: Klicke im Startmenü nicht auf "Herunterfahren", sondern explizit auf Neu starten. Beim Neustart erzwingt Windows nämlich das komplette Entladen und frische Einlesen aller Treiber und umgeht den Schnellstart-Cache.

  • Die Logik: Läuft der PC nach dem reinen Neustart plötzlich wieder gewohnt schnell in 15 Sekunden hoch, wissen wir sicher, dass der Schnellstart-Cache defekt ist. Dauert auch der Neustart so lange, liegt das Problem tiefer.

Verdächtiger 2: Hängende Systemdienste oder USB-Geräte beim Booten

Zu diesem frühen Zeitpunkt wartet Windows auf Rückmeldungen von Hardware und Diensten, die vor dem Benutzer-Login starten.

  • Der Hardware-Test (USB): Manchmal bleibt das UEFI/BIOS oder ein Windows-Treiber beim Booten an einem bestimmten angeschlossenen USB-Gerät (externe Festplatte, USB-Hub, Drucker) hängen und wartet auf ein langes Timeout. Stöpselt für einen Testlauf mal alle USB-Geräte ab, außer Maus und Tastatur, und schaut, ob er dann normal bootet.

  • Der Dienst-Check: Frag deinen Schwager mal, ob er neulich eine neue Antiviren-Software oder tief ins System eingreifende Tools (wie RGB-Steuerungen à la Asus Armoury Crate oder Corsair iCUE) installiert hat. Deren Hintergrund-Dienste starten schon vor dem Login und sind berüchtigt für Boot-Verzögerungen, wenn sie beim Start hängen.

Probier den sauberen Neustart und den USB-Check mal aus. Je nachdem, was dabei herauskommt, wissen wir genau, in welche Richtung wir weitersuchen müssen!

Mit freundlichen Grüßen
Dirk Löbe alias Computerdirk

Hi Dirk, danke für den genialen Tipp! Du hast den Nagel direkt auf den Kopf getroffen.

Ich habe die beiden Tests gerade mit meinem Schwager am Telefon durchgezogen.

Zuerst haben wir alle USB-Geräte abgezogen (da hing tatsächlich noch eine alte externe Datengrab-Platte dran) – das hat aber leider noch nichts verändert, der Kreisel drehte sich munter weiter.

Aber dann kam der Neustart-Test: Wenn wir im Startmenü explizit auf „Neu starten“ klicken, fliegt der PC plötzlich wieder wie eine Rakete! Keine 15 Sekunden und wir sind auf dem Desktop. Fahren wir den PC danach ganz normal herunter und schalten ihn per Power-Button wieder ein, hängt er wieder über 1,5 Minuten im Kreisel.

Es liegt also definitiv am Windows-Schnellstart, der sich da komplett verschluckt hat.

Wie biegen wir den fehlerhaften Cache in der hiberfil.sys jetzt am saubersten wieder gerade, ohne dass wir den Schnellstart dauerhaft deaktivieren müssen? (Mein Schwager will die schnellen Bootzeiten beim normalen Einschalten natürlich gerne behalten).

Gruß, Christian

Hallo Christian,

erstklassig, das ist doch ein super Diagnose-Ergebnis! Damit ist der Schuldige eindeutig überführt: Der Schnellstart-Cache hat sich definitiv bei einem Update oder beim Schreiben im Hintergrund verschluckt.

Das Gute daran ist: Wir müssen den Schnellstart gar nicht dauerhaft deaktivieren. Es reicht völlig aus, Windows einmal dazu zu zwingen, die Cache-Datei (hiberfil.sys) komplett zu löschen und frisch neu aufzubauen.

Das geht am schnellsten und saubersten über die Eingabeaufforderung. Sag deinem Schwager, er soll bitte folgende drei Schritte machen:

Schritt-für-Schritt: Schnellstart-Cache zurücksetzen

  1. Klicke auf die Windows-Suche, tippe cmd ein, mache einen Rechtsklick auf Eingabeaufforderung und wähle Als Administrator ausführen.

  2. Gib nun folgenden Befehl ein, um den Ruhezustand (und damit den kaputten Schnellstart-Cache) komplett abzuschalten und die Datei zu löschen: powercfg /h off (Danach mit Enter bestätigen. Es kommt keine Erfolgsmeldung, die Zeile springt einfach um.)

  3. Starte den PC nun einmal ganz normal neu.

  4. Nach dem Neustart öffnest du die Eingabeaufforderung wieder als Administrator (wie in Schritt 1) und schaltest den Schnellstart mit folgendem Befehl wieder ein: powercfg /h on (Wieder mit Enter bestätigen.)

Was passiert dabei im Hintergrund?

Durch das off löscht Windows die hiberfil.sys radikal von der SSD. Durch das on wird sie beim nächsten Herunterfahren komplett fehlerfrei und frisch neu geschrieben.

Probiert das mal aus, fahrt den Rechner danach normal runter und schaltet ihn per Power-Knopf wieder ein. Er sollte jetzt auch beim normalen Einschalten wieder in den gewohnten 15 Sekunden auf dem Desktop sein!

Mit freundlichen Grüßen
Dirk Löbe alias Computerdirk

Hi Dirk, was soll ich sagen – Operation geglückt!

Mein Schwager hat die drei Schritte eben genau so über die Admin-Eingabeaufforderung durchgezogen. Das Deaktivieren mit powercfg /h off lief glatt, danach einmal sauber neu gestartet und mit on wieder eingeschaltet.

Und siehe da: Beim anschließenden Herunterfahren und normalen Kaltstart über den Power-Knopf war der Windows-Kreisel nach gefühlt drei Umdrehungen weg. Der PC ist jetzt wieder in exakt 14 Sekunden auf dem Desktop und sofort einsatzbereit!

Da hatte sich das System echt mächtig verschluckt. Vielen Dank für die gewohnt fachmännische Hilfe, mein Schwager spendiert dir virtuell ein großes Bier! 🍺

Gruß, Christian