Du hast ein Spiel entdeckt, scrollst auf der Steam-Seite nach unten und landest bei zwei Spalten voller Abkürzungen: „Mindestanforderungen“ und „Empfohlen“. Wer weiß, wie die Angaben gemeint sind, kann ziemlich genau abschätzen, wie ein Spiel auf dem eigenen Rechner läuft.
Wir gehen die Angaben deshalb Zeile für Zeile durch, mit echten Beispielen von den offiziellen Steam-Seiten (Stand: Oktober 2026). Du brauchst dafür kein zusätzliches Programm, nur Windows und ein paar Minuten Zeit.
Was „Minimum“ und „Empfohlen“ eigentlich versprechen
Die Mindestanforderungen beschreiben die schwächste Hardware, mit der der Hersteller das Spiel noch für spielbar hält. Gemeint sind fast immer niedrige Details, oft eine geringe Auflösung und rund 30 Bilder pro Sekunde (FPS). Die Empfehlung beschreibt das Erlebnis, das sich das Studio für die meisten Spieler vorstellt.
Wie groß der Abstand sein kann, zeigt Hogwarts Legacy. Das Minimum mit einer GeForce GTX 960 (4 GB) zielt laut Steam-Seite auf 720p, 30 FPS und niedrige Qualität. Die Empfehlung mit einer GeForce GTX 1080 Ti oder Radeon RX 5700 XT zielt auf 1080p, 60 FPS und hohe Qualität.
Noch deutlicher wird es bei Resident Evil Requiem: Capcom nennt im Minimum 1080p bei 30 FPS, allerdings hochgerechnet aus einer internen Auflösung von nur 640p.
Nicht jedes Spiel nennt solche Zielwerte, Cyberpunk 2077 etwa gar keine. Fehlen sie, gehst du beim Minimum am besten vom ungünstigsten Fall aus: niedrige Details, keine Reserven.
Ein echtes Beispiel: Baldur’s Gate 3
Die Angaben von Larian enthalten alles, was in typischen Systemanforderungen vorkommt (Auszug für Windows-PCs):

| Bereich | Minimum | Empfohlen |
| Betriebssystem | Windows 10, 64 Bit | Windows 10, 64 Bit |
| Prozessor | Intel I5 4690 / AMD FX 8350 / Snapdragon X Elite | Intel Core i7-8700K / AMD Ryzen 5 3600 |
| Arbeitsspeicher | 8 GB | 16 GB |
| Grafik | GTX 970 / RX 480 / Arc A380 (mind. 4 GB VRAM) | RTX 2060 Super / RX 5700 XT / Arc A580 (mind. 8 GB VRAM) |
| DirectX | Version 11 | Version 11 |
| Speicherplatz | 150 GB, SSD erforderlich | 150 GB, SSD erforderlich |
Betriebssystem
„64 Bit“ ist bei aktuellen Spielen Pflicht, auf fast allen Rechnern mit Windows 10 oder 11 aber ohnehin der Fall. Spannender wird es, wenn ausdrücklich Windows 11 verlangt wird, wie bei Resident Evil Requiem.
Battlefield 6 nennt in den Anmerkungen zusätzlich aktiviertes TPM 2.0 und UEFI Secure Boot. Fehlt so etwas, hilft auch die schnellste Grafikkarte nicht.
Prozessor
Achte auf die Zahl nach dem Bindestrich. Beim Core i5-4690 steht die erste Ziffer für die 4. Generation, beim i7-8700K für die 8. Generation. Bei AMD verrät die erste Ziffer die Serie: Ein Ryzen 5 3600 gehört zur Serie 3000. Ein i7 aus einer alten Generation ist deshalb nicht automatisch schneller als ein i5 aus einer neuen.
Manchmal steckt eine harte Bedingung in den Anmerkungen: Anno 117: Pax Romana verlangt einen Prozessor mit dem Befehlssatz AVX2.
Arbeitsspeicher
Hier ist der Vergleich am einfachsten: Die Zahl muss passen. Baldur’s Gate 3 kommt im Minimum mit 8 GB aus. Bei vielen neueren Spielen sind 16 GB schon das Minimum, etwa bei Hogwarts Legacy, Battlefield 6 oder Kingdom Come: Deliverance II, das für die Empfehlung sogar 32 GB nennt.
Wer knapp liegt, kann oft mit wenig Aufwand nachrüsten. Wie das geht, erklärt der Beitrag Arbeitsspeicher erweitern hier auf Dirks-Computerecke.
Grafikkarte
Die Grafikkarte ist für die meisten Spiele das wichtigste Bauteil. Die Schrägstriche bedeuten „oder“: Genannt werden ungefähr gleich schnelle Karten von NVIDIA, AMD und Intel, du musst also nur eine davon erreichen. Bei NVIDIA steht in „RTX 3060“ die 30 für die Generation und die 60 für die Leistungsklasse.
60er-Karten sind Mittelklasse, 70 und 80 liegen darüber, 50 darunter. Eine neue Einsteigerkarte kann also langsamer sein als eine ältere Oberklassekarte.
Achte außerdem auf den Grafikspeicher in Klammern und auf Pflichtfunktionen. DOOM: The Dark Ages verlangt schon im Minimum eine Grafikkarte mit Hardware-Raytracing und 8 GB VRAM, etwa eine RTX 2060 Super oder RX 6600. Eine ältere GTX-Karte scheidet damit komplett aus.
Wie schnell die Messlatte steigt, zeigt die weiter unten beim Speicherplatz zitierte Auswertung: Eine GTX 1060 6 GB erfüllt die Grafik-Empfehlung nur noch bei 31 % der Spiele aus 2023–2025, bei Spielen aus 2016–2018 waren es 88 %.
DirectX
DirectX ist die Schnittstelle, über die Spiele unter Windows mit der Grafikkarte sprechen. Aktuelle Spiele verlangen meist Version 12, Baldur’s Gate 3 und Counter-Strike 2 kommen mit Version 11 aus. Wie du die installierte Version prüfst, beschreibt Microsoft in der Anleitung Welche DirectX-Version ist auf dem PC installiert?
Speicherplatz und SSD
Die Gigabyte-Angabe ist der freie Platz, den das Spiel braucht: Baldur’s Gate 3 nennt 150 GB, Crimson Desert sogar 180 GB, Updates kommen noch dazu. Immer häufiger steht dort außerdem „SSD erforderlich“. Laut einer Auswertung von pcpruefer.de nennen 23,7 % der PC-Spiele aus 2023–2025 ausdrücklich eine SSD, bei Spielen aus 2016–2018 waren es nur 2,1 %.
Auf einer klassischen Festplatte musst du dann mit langen Ladezeiten und nachladenden Texturen rechnen. Die Unterschiede erklärt der Beitrag SSD oder HDD? hier im Blog.
Zusätzliche Anmerkungen
Diese Zeile wird gern überlesen, dabei steht hier oft das Wichtigste: Zielauflösung und Bildrate, Pflicht-SSD, AVX2 oder TPM 2.0. Bei Black Myth: Wukong steht zum Beispiel, dass die Werte mit aktiviertem DLSS, FSR oder XeSS ermittelt wurden. Ohne diese Hochskalierung brauchst du also mehr Leistung als angegeben.
So findest du heraus, was in deinem PC steckt
- Prozessor und RAM: Einstellungen > System > Info zeigt die genaue Prozessorbezeichnung und den installierten Arbeitsspeicher.
- Grafikkarte und VRAM: Im Task-Manager (Strg + Umschalt + Esc) unter „Leistung“ > „GPU“ stehen Modell und „Dedizierter GPU-Speicher“. Bei Laptops mit zwei Einträgen zählt für Spiele die separate Grafikkarte.
- Laufwerk: Ebenfalls unter „Leistung“ steht bei jedem Datenträger, ob es eine SSD oder HDD ist. Den freien Platz zeigt der Explorer unter „Dieser PC“.
- DirectX: „dxdiag“ in die Windows-Suche eingeben, die Version steht auf der Registerkarte „System“.

Drei Beispiele zum Mitrechnen
Angenommen, in deinem Rechner stecken ein Ryzen 5 3600, 16 GB RAM, eine GeForce GTX 1660 Super mit 6 GB und eine 500-GB-SSD:
- Baldur’s Gate 3: Prozessor und RAM erfüllen die Empfehlung. Die Grafikkarte liegt klar über der GTX 970 aus dem Minimum, aber unter der empfohlenen RTX 2060 Super. Erwartung: gut spielbar in Full HD mit mittleren Details, sofern 150 GB frei sind.
- Hogwarts Legacy: Deutlich schneller als die GTX 960 aus dem Minimum, aber unter der GTX 1080 Ti der Empfehlung. Realistisch ist Full HD mit reduzierten Einstellungen.
- DOOM: The Dark Ages: Hier hilft kein Rechnen. Die GTX 1660 Super hat weder Raytracing-Hardware noch 8 GB VRAM, das Spiel läuft auf diesem PC nicht.
Die Faustregel: Erreicht dein PC die rechte Spalte, kannst du beruhigt kaufen. Liegt er dazwischen, ist das Spiel meist mit Kompromissen bei Details und Auflösung gut spielbar. Liegt er unter dem Minimum oder fehlt eine Pflichtfunktion, lass besser die Finger davon. Für schnelle Shooter, WQHD-Monitore und Gaming-Laptops ist die Empfehlung der realistischere Maßstab.
Fazit
Das Minimum ist die untere Grenze mit niedrigen Details, die Empfehlung das eigentlich gedachte Spielerlebnis. Vergleiche Grafikkarte und Prozessor nach Generation und Klasse statt nach der größten Zahl, nimm Pflichtangaben wie SSD, Raytracing, AVX2 oder TPM 2.0 ernst und lies immer die Anmerkungen. Mit den Bordmitteln von Windows hast du deine eigenen Werte in wenigen Minuten zusammen.
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