Bluetooth Lautsprecher sind genial – Gastartikel

Seit mein Bruder das erste Mal einen Bluetooth Lautsprecher zu Hause vorgeführt hat, war ich begeistert. Das begann, wie so oft, damit, dass irgendwo im Haus ziemlich laute Musik zu hören war. Kein großer Freund von Klangexplosionen, suchte ich die Quelle auf und stieß auf das hier:

Bluetooth Lautsprecher sind genial - Gastartikel

Ein kleiner, blauer JBL Flip hatte all den Krawall gemacht. Keine zwei Wochen später hatte ich den Flip so oft im Einsatz, dass ich formell Besitzanspruch darauf erheben konnte. Der Lautsprecher wurde kurzerhand annektiert. Das war der Beginn meiner Freude an Bluetooth-Lautsprechern.

Genau dieser JBL Flip musste einige Monate später dran glauben. Das original Ladekabel war verloren gegangen und nachdem ein Ladevorgang mit Universal-Ladekabel einmal daneben ging (ahem, jemand hat versehentlich die Stromrichtung umgekehrt), stank es nach Kabelbrand und der Flip weigerte sich künftig, Musik zu spielen.

… seitdem verging viel Zeit in der ich die Hoffnung nicht aufgab, den einen Lautsprecher, der mein Interesse an der Materie entfachte, reparieren zu können. Und das führte mich letztlich zu diesem Gastbeitrag: ich werde den JBL Flip auseinanderbauen, versuchen, den Defekt zu finden und im besten Falle reparieren.

Der Haken an der Sache:

Ich bin zwar nicht gestern aus dem Ei geschlüpft und würde sagen, dass ich nicht der un-technischste Mensch bin. Aber von Elektronik weiß ich nicht viel. Wörter wie Kondensator, Platine und Transformator sind mir nicht fremd. Aber sie stammen aus Zeiten, als noch ein Physik-Absolvent vor mir und anderen Jugendlichen stand, um seinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten, uns dazu zu bringen diese abstrakten Begriffe einem größeren Konzept zuzuordnen.

Ganz egal, ich wollte es versuchen – und dokumentieren, damit die Nachwelt was davon hat. Dass ich das auch noch auf Dirk’s Blog veröffentlichen darf, wo das wohl besser hinpasst, als auf meinen eigenen, ergab sich prima.

Im wesentlichen verfolgte ich mit der Aktion und dem Post hier zwei Ziele:

  1. Will ich den Selbstversuch machen und herausfinden, ob ein Laie einen Defekt in einem Lautsprecher erkennen oder gar beheben kann.
  2. Möchte ich das Innenleben eines Bluetooth Lautsprechers zeigen – da steckt unter Umständen mehr drinnen, als man vermuten mag.

Der JBL Flip wird auseinander genommen

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Ich habe mir mein Werkzeugset zur Hand genommen und war zuversichtlich, dass ich genug Bits hätte, um alles zu öffnen.

Zunächst mussten einmal die seitlichen Kunststoff-Kappen abgenommen werden – das ging ganz einfach, dafür konnte ich sogar meine Fingernägel verwenden.

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Die zweite Kappe hat auch gleichzeitig die Steuerelemente und eine Platine dazu verbaut – etwas schwieriger aufzubekommen, aber machbar. Hier musste allerdings schon ein Messer herhalten; der Schraubenzieher war zu dick und meine Nägel zu schwach.

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Darunter fanden sich jeweils vier Schrauben – ganz normale Kreuzschrauben! Keine Selbstverständlichkeit mehr, bei Elektronika.

Spätestens jetzt muss ich eigentlich sagen, dass ich mir nicht ganz sicher war, wie es weitergehen würde. Klar, der Lautsprecher war ohnehin schon defekt und wieviel schlimmer kann es werden, wenn ich einfach mal rate? Dennoch entschied ich mich, erst mal nach einer Anleitung zu suchen und fand sowohl eine bei iFixit, als auch ein YouTube Video, die beide gut zeigten, wie es weitergeht.

Ganz wie ich vermutet (aber mich nicht getraut) habe, musste die Plastik-Abdeckung einfach abgenommen werden. Das fühlte sich an, als würde ich etwas zerbrechen. Gleich darauf hatte ich es aber auch schon in der Hand.

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So weit, so gut!

Darunter warteten noch zwei weitere Plastik-Cover, die z.T. verschraubt waren. Die Schrauben habe ich nicht extra fotografiert, weil sie sehr schwer zu übersehen sind – das soll hier ja auch keine Schritt-für-Schritt Anleitung werden. Das haben die Kollegen in den oben erwähnten Links bereits viel besser aufs Parkett gelegt.

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Das einzige, das mich nun noch vom Innenleben des Lautsprechers trennte, war der Metall-Grill. Den musste ich vorsichtig mit dem Schraubenzieher aus der Verankerung biegen.

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Was ich dann in der Hand hielt, war eine Staubige Kunststoff-Rolle in deren Inneren die gesamte Elektronik verbaut war. Hier stieß ich wiederum auf Schwierigkeiten. Es schien, als bestünde das Ding aus zwei Hälften, die zusammengeklebt wurden – denkt an ein Überaschungs-Ei. Zusammengehalten wurde es dann noch von zwei Schrauben an jeder Seite.

Wie ich es auch anstellte, ich bekam es nicht auf. Zurück also zum Youtube-Video. Der Erzähler dort hat das Ding einfach auseinander geklappt und offen war es. Nicht bei mir. Nach gut 10 Minuten des Herumhebelns und gefährlichen Hantierens mit spitzen Gegenständen wusste ich nicht mehr weiter.

Bis ich mir dachte, ich werde nochmal nachsehen ob ich wirklich alle Schrauben gelöst hatte.

Stellte sich raus, dass die in der Mitte des Kunststoff Ü-Eis noch dran war. Die ist fies, weil sie sehr tief im Gehäuse sitzt, um Elektronik-Laien davon abzuhalten, an das Innere zu kommen. Fast hätte es funktioniert.

Ich musste einen anderen Schraubenzieher zücken, um da ran zu kommen und schraubte dann mal ein paar Minuten ins Blinde, bis ich auch diese Schraube gelöst hatte und sich nun das Innere des JBL Flip preisgab.

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Der Kabelbrand-Geruch intensivierte sich, aber genau erkennen, woher er kam, konnte ich nicht. Darum lockerte ich noch die letzten Schrauben und nahm ihn völlig auseinander.Dabei stieß ich immer wieder auf eine Art schwarze Klebemasse, die manche nicht verschraubten Bauteile an ihrem Platz hielt. Stellt Euch am ehesten Poster-Kitt vor, nur schwarz und besonders fies.

Wer sich schon immer gewundert hat, wie so eine kleine Röhre Bass erzeugt: hier ist der passive Bassstrahler, der ebenfalls im Gehäuse verschraubt war.

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Den Defekt suchen: keine Chance als Laie

Ich hatte mir das wohl einfacher vorgestellt, als es war.

In meiner Ideal-Vorstellung fand ich irgendwo ein schwarz verkokeltes Bauteil, zupfte es aus der Platine und ging damit zum Elektroladen, um mir genau das nochmal für zwei Euro nachzukaufen, es wieder einzubauen und wieder Musik zu hören – fertig.

Allerdings sah soweit alles sehr in Ordnung aus. Der Lautsprecher ließ sich (vor der Auseinandernahme, versteht sich) auch noch einschalten. Lediglich verbinden & Musik abspielen war nicht mehr.

Die einzige Stelle, die ein wenig beschädigt aussah, war ein Teil der Hauptplatine:

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Hier sieht man einen weißen Film über der Oberfläche und auf ein paar Bauteilen. Dadurch, dass die Platine selbst betroffen zu sein schien, ging ich davon aus, dass man den Defekt nicht beheben kann, ohne viel mehr Arbeit reinzustecken, als sich lohnen würde. Wenn es denn überhaupt realistisch reparierbar wäre.

Ein wenig enttäuschend! Aber ich muss zu dem Schluss kommen, dass meine mangelnde Fachkenntnis in Sachen Elektronik mir hier zum Verhängnis wurde. Zur Erinnerung: das erste Ziel dieser kleinen Studie war herauszufinden, ob ein Laie den Defekt finden oder sogar reparieren kann. Bei mir scheiterte es bereits daran, dass ich nicht mit Gewissheit sagen kann, was hier tatsächlich kaputt ist.

Ein kleiner Trost: ich konnte den Lautsprecher (mit etwas Hilfe) vollständig auseinandernehmen

und Fotos davon machen!

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Darum kann ich Euch zumindest mitgeben: wenn ihr einen defekten Bluetooth-Lautsprecher habt und niemanden kennt, der ihn reparieren kann…

…könnt ihr es ja zumindest mal versuchen. Bevor er auf die Problemstoff-Sammelstelle kommt, warum nicht den letzten Mehrwert rausholen und ein wenig über die Konstruktion erfahren? Vielleicht ist der Defekt auch etwas offensichtlicher. Eine geplatzte Batterie z.B. erkennt man auch als Laie.

Den zerlegten Lautsprecher habe ich in einer Box aufbewahrt. Falls jemand anhand der Bilder zu erkennen vermag, was defekt ist und wie es zu beheben wäre, lasst es mich wissen! Oder lasst es mich nicht wissen und ich sende Euch das Ding frei Haus vorbei – vielleicht bekommt ihr es ja wieder zum laufen.


Tom schreibt auf Wirelesspirat über alles, das kabellos Daten von A nach B bringt. Im Moment liegt der Fokus vor allem auf Bluetooth Kopfhörern & Lautsprechern, die es ihm besonders angetan haben. Die Skepsis vor Bluetooth-Geräten musste ihm erst durch seine Mitmenschen genommen werden – seither gibt es weniger und weniger Kabel in seinem Alltag.


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